Zehn Jahre nach dem Terroranschlag von Nizza gibt es auf dem viel besuchten Opernplatz neue, eigens für die Stadt Frankfurt entwickelte Zufahrtssperren aus Stahl, die verhindern sollen, dass schwere Lastwagen oder Sattelschlepper ungehindert auf den Platz rasen können. Angeordnet wurden die 19 rechteckigen Elemente in einer Reihe auf der Westseite des Platzes, um vor allem Schutz vor dem Verkehr von der Bockenheimer Landstraße und der Taunusanlage zu bieten, zwei in der Regel stark und schnell befahrene Straßen, die praktisch auf den Platz münden.
Frankfurt hatte nach dem Anschlag in Nizza mit 86 Toten und mehr als 400 Verletzten sofort mit einer nach Angaben der Stadt „schnellen Interimslösung“ reagiert und einfache Betonpoller, die manche auch als Beton-Legosteine bezeichneten, aufgestellt. Jetzt hat die Stadt sie ersetzt, und zwar mit Zufahrtsschutzmodulen, die nach Angaben von Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen) deutlich robuster – jedes einzelne wiegt rund zehn Tonnen – und damit sicherer und auch weniger anfällig für Vandalismus sind. Vor allem setzt die Stadt mit den neuen Sperren erstmals auf eine Lösung, die offiziell als Zufahrtsschutz befürwortet wird. Das Aufstellen sei mit Polizei und Feuerwehr abgestimmt.
„Dem Wahren Schönen Sicheren“
Markus Fein, Intendant der Alten Oper, zeigt sich zufrieden mit der gefundenen Lösung vor seiner Tür. Es sei gut zu wissen, dass dieser Ort, „den die Frankfurter lieben“, sicher sei, sagte er. Der Opernplatz sei „das schönste Wohnzimmer der Stadt“. Anlass für Fein, die am Fries der Alten Opern zu lesende Inschrift „Dem Wahren Schönen Guten“ kurzerhand verbal zu verändern in „Dem Wahren Schönen Sicheren“.
Im Februar, kurz vor der Kommunalwahl, hatten Siefert und Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) zwei Module auf dem Opernplatz als Muster präsentiert. Sie wollten offenbar zeigen, dass die Stadtregierung in den vergangenen zehn Jahren nicht vergessen habe, dass die Betonpoller nur als Provisorien gedacht gewesen seien. Siefert und Josef machten zudem deutlich, dass man bei den neuen Zufahrtsschutzmodulen auch Optik und Gestaltung berücksichtigt habe.

Die Sperren sind mit grauem oder besser anthrazitfarbenem Aluminium verkleidet, das mit einem Eisenglimmereffekt versehen ist. An den Längsseiten der Module ist der Frankfurter Adler, das Stadtwappen, zu sehen, das wie ein Relief hervorsteht. Mancher Frankfurter hatte schon im Frühjahr den Farbton, das dunkle Grau, kritisiert, der so gar nicht zum hellen Sandstein der Alten Oper passe. Andere verwiesen darauf, dass die Stadt inzwischen auf Straßen und Plätzen darauf hinarbeite, möglichst helle Materialien einzusetzen, um zu verhindern, dass sich die ohnehin im Sommer überhitzte Innenstadt noch weiter aufheize. So ist etwa in der benachbarten Goethestraße eigens ein heller Asphalt verlegt worden.
Verkehrsdezernent Siefert wehrt die Kritik ab. Die Zufahrtssperren seien mit der Stadtplanung und dem Denkmalschutzamt abgestimmt. Gerade Letzteres haben das Dunkelgrau für besonders geeignet empfunden, es passe ideal zum historischen Gebäude der Alten Oper. Zudem sei das Anthrazit die Farbe aller Einbauten im Straßenraum wie Poller, Laternen, Mülleimer und Litfaßsäulen.
Terrorpoller treffen auf Begrünung
Und noch eine Besonderheit bieten nach Angaben des Mobilitätsdezernenten die neuen Module: Sie können bepflanzt werden. Dazu ist in die ansonsten hohlen Elemente eine zweite Ebene eingezogen worden, um dort auf einer Höhe von 40 Zentimetern Pflanzen einzubringen. Rund 400 Stauden sind kürzlich in die 19 Sperren gepflanzt worden. Das Grünflächenamt hat dazu Amtshilfe geleistet und dem zuständigen Straßenbauamt eine Liste mit trockenheitsverträglichen und pflegearmen Pflanzenarten an die Hand gegeben. Auf der sind Stauden aufgelistet wie Polster-Phlox, Felsen-Fetthenne, Dachwurz, Teppich-Thymian, Katzenminze oder Steppen-Salbei.
Noch ist nicht viel zu sehen, schließlich ist alles ja erst kürzlich in den Boden gekommen. Und dennoch gibt es Pflanzenkenner, die Bedenken anmelden, wie in diesen dunklen und sich damit selbst aufheizenden Kübeln bei Hitze und Trockenheit etwas gedeihen solle. Es sei denn, sie würden regelmäßig gegossen.
Das Grünflächenamt hat sich mit Blick auf den Klimawandel und die mit einer solchen Pflege verbundenen hohen Kosten in den vergangenen Jahren völlig von Pflanzkübeln verabschiedet und setzt nur noch auf hitzeresistente Stauden, die in Beete gepflanzt werden. Das Mobilitätsdezernat schlägt nun den entgegengesetzten Weg ein.
Siefert beziffert die Kosten für die Bepflanzung der 19 Elemente mit 12.000 Euro. Pflege, Reinigung und Bewässerung der Module, die erst einmal nur bis zum 31. Oktober dieses Jahres ausgeschrieben worden sind, schlagen für das halbe Jahr mit rund 25.000 Euro zu Buche. Allerdings hofft Siefert, längerfristig andere Lösungen für die Pflege der Pflanzen zu finden, „Patenschaften könnten ein Weg sein“, sagt er. Die 19 Zufahrtssperren selbst haben, so Siefert, rund 775.000 Euro gekostet.
