
Reifen sind schwarz und rund. Tennisbälle sind gelb und rund. Im Übrigen beides unsexy, muss halt rollen. Oder springen. So weit, so falsch. Weil ein guter Reifen alles Mögliche können muss. Ein guter Tennisball auch, als Erstes mal in die Dose passen.
Die nämlich ist genormt, womit wir bei Code Planet wären, was wiederum ein Ökoball ist. Der möchte vorhandenen den Platz streitig machen, wozu er sich ein wenig aufplustert und deshalb, da kommt wieder die Dose ins Spiel, leicht widerwillig aus derselben heraus- und nach dem Match wieder hineinwill.
Schubbert am Ring entlang
Ein bis zwei Millimeter größer im Durchmesser ist der neue Ball aus dem Hause Balls Unlimited, mit seinem Filzhaar schubbert er am Ring entlang. Der Hobbyspieler, erst den neuen, dann den gewohnten Ball spielend, glaubt zunächst an die Eintrübung seines für Umfänge zuständigen Hirnareals, doch der Schein trügt nicht. Der ITF-Norm genügt der Code gleichwohl, weil, man ahnt es, in die Dose passend. Normkonform springen oder hüpfen muss er freilich auch noch.
Was so schwer wohl nicht sein kann, ist ja nicht der erste Tennisball auf der Welt. Doch, sehr wohl, sagt Tobias Papenfuhs, Code Planet nämlich trägt Altreifen in sich, so was gibt es noch nicht auf dem Planeten.
Gelben Farbstoff erfunden
Sein Vater hat vor zwanzig Jahren die im bayerischen Gerolsbach sitzende Firma gegründet, sein Opa hat bei der Frankfurter Hoechst AG den gelben Farbstoff erfunden und patentiert. Weil es so schön ist und unseren noch immer unter dem Untergang der Farbwerke leidenden Chemikerkumpel hoffentlich trösten wird: 4-Amino-1,8-naphthalsäureimid-3-sulfonsäure. Damit also spielen Rafael Nadal und wir? Ungefähr auf gleichem Niveau?
Den Altreifen, genauer das Reifenmehl, in den Kern zu kriegen, hat drei Jahre Tüftelei bedeutet. Im Ballkern sind 40 Prozent Recyclingstoff eingearbeitet. Der ein wenig unelastisch ist, es braucht Kompensation in Form von Oberflächenspannung oder Härtegrad. Den vulkanisierten Schredderschrott mit frischem Naturkautschuk vermählen smarte Chemikalien, die aus Deutschland bezogen werden. Gefertigt wird sodann in Thailand, wie die jährlich rund eine Million übrigen Bälle von Balls Unlimited auch.
Drucklose Ökobälle taugen nix
Der Hessische Tennisverband hatte es vor drei Jahren mal mit drucklosen Ökobällen versucht, die taugten gar nix. Das ist jetzt anders. Der Code Planet musste in unserem Test auf Sand in der Traglufthalle und auf Teppich ran. Er hat, obgleich wie gewohnt ein Innendruckball, einen hohleren Klang. Wer nicht so super genau trifft, spürt Härte am Schläger. Wer genauer trifft, spürt feine Kontrolle. Um Tempo zu erzeugen, muss man härter schlagen als mit anderen Bällen, die schneller fliegen und höher abspringen, vor allem, wenn sie frisch aus der Dose purzeln.
Insgesamt finden wir den Ball ziemlich gut, er rangiert gefühlt im oberen Drittel des Marktes. In der Viererdose um 7,85 Euro.
