
Es ist die Preisfrage des deutschen Sports schlechthin: Was braucht man eigentlich, um erfolgreich zu sein – erfolgreicher vor allem als in den vergangenen Jahren, in denen immer mehr Geld in den Sport geflossen ist, die Medaillen aber tendenziell weniger wurden. Wer also weiß die Antwort?
Wie laut der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) „Ich“ ruft, war deutlich zu vernehmen in den vergangenen Monaten, aber auch noch einmal in den vergangenen Tagen, als er nicht nur für mehr Gewicht im geplanten Sportfördergesetz trommelte, sondern regelrecht auf die Pauke haute: mit seinem als „Prüfung“ deklarierten Gedankenspiel, die Spitzensportagentur, die künftig über die Mittelvergabe entscheiden soll, doch unter dem Dach des DOSB anzusiedeln.
Ernsthaft? Es wäre genau das, was viele, die ebenfalls eine Antwort auf die Frage zu kennen glauben, zu verhindern versuchen, seit um die Reform und das Gesetz gerungen wird, also seit zehn Jahren – darunter im Übrigen auch einige aus den im DOSB organisierten Verbänden.
Der DOSB ist mit dem neuen Gesetzentwurf besser bedient
Es war wohl eher ein politischer Schachzug im Ringen mit der (Bundes-)Politik, die zum Einen die Mittel vergibt, zum anderen dem DOSB die richtigen Antworten nicht mehr zutraute. Ob es auf diesen Poker zurückzuführen ist oder nicht: Der DOSB ist mit dem neuen Entwurf des Gesetzes, das in der kommenden Woche ins Kabinett gehen soll, deutlich besser bedient, als nach dem ersten Entwurf aus dem Hause der Staatsministerin Christiane Schenderlein zu erwarten war. Womöglich war ihr Schritt zurück auch der Preis in einem viel größeren Machtspiel, in dem bayerische Interessen eine Rolle spielen, etwa beim Thema Olympia-Bewerbung.
Genug hat der DOSB damit allerdings noch nicht. Er wünscht sich – Stichwort „Augenhöhe“ – ein noch größeres Entgegenkommen bei der Besetzung des Stiftungsrats in der zu gründenden Agentur. Der ist von ursprünglich fünf Sitzen auf neun erweitert worden, ohne dass sich am grundsätzlichen Kräfteverhältnis zwischen Politik und Sport etwas geändert hätte: Statt 4:1 heißt es nun 6:3.
Doch im Sinne des Sports wäre etwas anderes: ein fester Platz für diejenigen, die eigentlich am besten wissen müssen, was sie brauchen, die Athletinnen und Athleten selbst. Im Kanzleramt argumentiert man, dass der DOSB ja frei sei, einen seiner Sitze an eine Sportlerin oder einen Sportler zu vergeben.
In den Ohren der unabhängigen Vertretung „Athleten Deutschland“ allerdings scheppert das wie Blech. Sie zeigen sich „schockiert“ vom neuen Entwurf. Weil sie das Gefühl haben, im großen Machtspiel auf der Strecke zu bleiben. Obwohl jeder, in Sport wie Politik, wissen müsste, dass ein paar der klügsten Antworten aus ihren Köpfen kommen.
