
Das liest sich schön. Die Zahl neuer Start-ups in Hessen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Auch die Neugründungen je Einwohner haben zugenommen. Angesichts der Hiobsbotschaften vieler Betriebe in Hessen aus den vergangenen Monaten sind das endlich gute Nachrichten.
Die Bemühungen der Akteure scheinen also Früchte zu tragen. Denn mit mehr neu gegründeten Start-ups steigt auch die Wahrscheinlichkeit für langfristig erfolgreiche innovative Unternehmen. Sie schaffen Arbeitsplätze, erwirtschaften Umsatz, der auch der öffentlichen Hand zugutekommt.
Die Zahlen bestätigen den Eindruck, den jeder gewinnen konnte, der sich im vergangenen Jahr mit dem hiesigen Ökosystem beschäftigt hat. Denn die Rhein-Main-Region, die maßgeblich zu den Zahlen Hessens beigetragen hat, war und ist von einer Aufbruchsstimmung geprägt: Im Herbst hat Futury seinen Start-up-Space eröffnet und für ordentlich Wirbel gesorgt, für den Frankfurter Gründerpreis haben sich so viele beworben wie noch nie, und bei der IHK hat der Start-up-Ausschuss seine Arbeit aufgenommen. Dies sind nur einige Beispiele. Zudem geht Darmstadt, die einzige Stadt der Region, die wie auch 2024 zu den besten zehn der Republik gehört, als forschungsnaher Standort weiter voran.
Dennoch ist keinesfalls Ausruhen angesagt. Will die Region um Frankfurt zu den innovativen Zentren der Republik oder gar Europas gehören, wie es in vielen Sonntagsreden im Jahr 2025 beschworen wurde, gilt es, Boden gutzumachen: In Bayern wurden im vergangenen Jahr 247 Start-ups mehr gegründet als 2024. Bayerns Zuwachs ist Hessens „Insgesamt“.
Der Zugang zu Risikokapital bleibt ein Hemmnis. Denn neben einem besseren rechtlichen Rahmen ist es vor allem Geld, das Start-ups zwingend brauchen. Bei den Finanzierungssummen ist Rhein-Main bisher meilenweit von München oder Berlin entfernt. Außerdem hapert es an der Gründungskultur, am Technologietransfer aus den Universitäten hinein in Geschäftsmodelle. Und am Fokus. All das ist den Akteuren bekannt, das Gegensteuern hat begonnen und trägt nun erste Früchte. Es ist ein spätes Erwachen, aber besser spät als nie.
