Deutschland muss vom Rheinland lernen. Nämlich, wie man zusammenhält. Lange war das Rheinland tief gespalten, und zwar ausgerechnet in seiner Mitte. Hier Köln, dann eine tiefe Kluft, dann Düsseldorf. Aber die Zeiten sind vorbei. Die Kluft – sie existiert nicht mehr. Das haben diese Woche der Oberbürgermeister von Köln und jener von Düsseldorf verkündet. In Berlin.
Dienstagabend, in der „Botschaft des Westens“, wie sich die Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen in der Hauptstadt angemessen pathetisch nennt: Hier hat eben der Parlamentarische Abend der Metropolregion Rheinland begonnen. Viele Gäste sind aus dem Rheinland angereist, andere aus Berlin dazugekommen, aus Politik und Wirtschaftskammern. Das Netzwerktreffen dreht sich diesmal darum, wie wichtig es für das Rheinland ist, dass Deutschland moderner und weniger bürokratisch wird.
Eben hatten die Gäste noch mit Currywurst vorgeglüht; die Soße war ziemlich feurig, woran schon zu erkennen war, dass es sich nicht um die oft eher süßliche Berliner Variante handelte, sondern um Ruhrpottwurst, genauer gesagt jene von Dönninghaus in Bochum. Sie genießt einen ausgezeichneten Ruf. Typisch rheinländische Großzügigkeit. Auch das Ruhrgebiet kommt hier zu seinem Recht.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Nun aber steht der Kölner Oberbürgermeister auf der Bühne, er heißt Torsten Burmester, ist von der SPD und verkündet, dass die Rivalität mit Düsseldorf nur noch eine „Traditionsrivalität“ sei. „Mehr können wir uns gar nicht mehr erlauben.“ Man müsse nun zusammenstehen. Sein Düsseldorfer Amtskollege, Stephan Keller von der CDU, pflichtet ihm bei. Die Rivalität tauge „nur noch für den Stammtisch“. Nicht einmal für den Fußball sei sie noch gut. Stöhnen im Publikum – Fortuna Düsseldorf ist gerade abgestiegen.

Vereint wollen die Rheinländer für ihre Region kämpfen, vor allem dafür, dass die Wirtschaft dort weiter so produktiv sein kann wie bisher. Oder sogar noch produktiver. Vielleicht motiviert das Beispiel der zwei Oberbürgermeister – einer SPD, einer CDU – ja auch die Bundesregierung zu etwas mehr Zusammenhalt.
Dann kommt Thomas Jarzombek, Düsseldorfer, CDU, auf die Bühne. Der parlamentarische Staatssekretär im Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung berichtet, dass sein Kollege Philipp Amthor gerade eine Behördeninventur mache. Es gebe nämlich 960 Behörden in Deutschland. Da könne man eventuell Bürokratie wegschneiden.
Durchs Publikum geht da ein hoffnungsvolles Raunen. Aber auch ein hungriges. Das Programm dauert länger als geplant. Doch der Rheinländer wäre nicht Rheinländer, wenn er anschließend sofort ginge. Wurstplatten, Käsebretter – Bierkäse, Rotweinkäse – , Huhn und Spargel stehen bereit. Zusammenhalt kommt auch von zusammen herumstehen.
