
Die zwei Minuten vor dem Start eines Rennens seien ihr die liebsten, sagte Emma Aicher bei den Olympischen Spielen – weil dann Ruhe herrsche. Mit diesem Bonmot unterstrich die 22-Jährige eindrucksvoll ihre gelassene Art, auf die bisweilen etwas überdrehte Ski-Szene zu schauen. Doch auch die anderthalb Minuten nach dem Start eines Rennens mag sie sehr. Denn dann kann sie das tun, was sie am liebsten mag: Ski fahren.
Bei der Weltcup-Abfahrt im Val di Fassa an diesem Freitag waren es gut 82 Sekunden, die sie vom Starthäuschen auf 2510 Metern bis ins Ziel auf 1880 benötigte. Emma Aicher gelang es dabei vorzüglich, ihre Ski laufen zu lassen und die 630 Höhenmeter auf 2274 Metern Streckenlänge zu überwinden.
Aicher „wieder ganz zufrieden“
„Ja, ich bin wieder ganz zufrieden mit meiner Fahrt“, sagte sie danach gewohnt lakonisch: „Ich habe es oben ganz gut getroffen, und unten im Steilen war es auch okay.“
Genau genommen gelang ihr eine glänzende Fahrt in exakt 1:21,41 Minuten, doch wie schon bei Olympia fehlte ihr eine Winzigkeit zum Sieg. In der Abfahrt von Cortina waren es 0,04 Sekunden, die Olympiasiegerin Breezy Johnson (USA) voraus war. Diesmal im benachbarten Fassatal sogar nur 0,01 Sekunden. Umgerechnet 28 Zentimeter lag die aus dem Trentino stammende Laura Pirovano bei ihrem Heimrennen vorne. „Ahh“ stöhnte sogar Aicher kurz auf, als sie das Resultat auf der Anzeigetafel erblickte.
Für die Italienerin war es der erste Weltcupsieg ihrer Karriere, für Aicher dagegen schon der achte Podestplatz in dieser Saison. Und somit nähert sie sich nicht nur dem Sieg im Abfahrt-Weltcup, in dem sie nach sieben von neun Rennen mit 386 Punkten Zweite ist – und nur die schwer verletzte Lindsey Vonn (400) noch vor ihr liegt, sondern auch im Gesamt-Weltcup.
Dort führt Mikaela Shiffrin (1133) vor Aicher (994), doch während die Amerikanerin nur noch vier Technik-Rennen in diesem Winter bestreiten wird – will Aicher in allen acht starten. Weil sie am liebsten in aller Ruhe Skirennen fährt.
