
Mit dem Erreichen des 60. Lebensjahres galt man im alten Rom als „senex“, als Greis. Das war damals eine vergleichsweise kleine Bevölkerungsgruppe. Heute ist das bekanntlich anders. In den Industrienationen erreicht die Überalterung inzwischen Ausmaße, die mittelfristig die Gesellschaft gefährden, man denke nur an das deutsche Rentensystem. Doch die Vergreisung zieht auch andere Probleme nach sich, die dann auch nicht nur für die Senioren selbst von Nachteil sind.
Auf eins weist nun eine Studie hin, die in den „AIP Advances“ des American Institute of Physics erschienen ist. Ihre Autoren haben mittels Computersimulationen untersucht, welche Faktoren sich hinderlich auf die rasche Evakuierung eines Flugzeugs im Notfall auswirken. Konkret betrachtet wurde Feuer in beiden Triebwerken eines Airbus A 320, des am weitesten verbreiteten Linienflugzeugs mit nur einem Gang in der Mitte.
Wie sich zeigte, waren der Anteil an Menschen jenseits der 60 und ihre Verteilung im Flugzeug die wichtigsten Faktoren. Am schnellsten ging es noch mit nur 30 Senioren unter 152 Passagieren, wenn diese gleichmäßig über die Kabine verteilt waren. Aber selbst dann war das Flugzeug erst nach 141 Sekunden geräumt. Die amerikanische Luftaufsichtsbehörde FAA schreibt 90 Sekunden vor.
Dieses Ergebnis ist qualitativ leider auch dann plausibel, wenn man hier die Details der Modellierung verschiedener Effekte höheren Lebensalters auf Kognition sowie körperliche wie psychologische Beweglichkeit in Zweifel ziehen will. Damit stellt sich die Frage nach den Konsequenzen.
Älteren Passagieren ein „zusätzliches Safety-Briefing“ zu verordnen, wie die Studienautoren in fast rührender Naivität vorschlagen? Wer mit über 60 fliegt, hat schon so oft im Flugzeug gesessen, dass er der Belehrung erst recht keine Aufmerksamkeit mehr schenkt. Eine Altersgrenze für Flugpassagiere dürfte auch auf Widerstand der Fluggesellschaften stoßen, wenn rüstige Fernreisende einen so hohen Anteil an ihrer Kundschaft ausmachen, wie es zuweilen den Anschein hat. Bleibt dann wohl nur, der Altersgruppe Ü60 bestimmte Zonen in der Kabine zuzuweisen. Fragt sich nur, ob es die gleich neben den Notluken sein sollen – oder die gerade nicht.
