Sie säen gemeinsam Tomaten im Hochbeet, lassen Tierfiguren
auf Spielzeugschienen balancieren, kneten Keksteig oder buddeln einfach ein
großes Loch in den Sand, während wenige Meter vor ihnen das Meer in Wellen an
den Strand bricht. Seit Anfang des Jahres widmet Sandra Lüdtke an drei Tagen in
der Woche ihren Alltag einer Vierjährigen. Für sie und ihre Familie flog die
55-Jährige von Deutschland an die Südostküste Australiens. Dort ist sie für
sechs Monate als Granny Au-pair im Einsatz, als Großmutter auf Zeit.
Lüdtke wuchs in der DDR auf, sie wurde früh Mutter,
arbeitete 30 Jahre im Kindergarten: als Erzieherin im Gruppendienst, in einer
Leitungsfunktion und am Ende als Fachberaterin für 17 Einrichtungen eines
Trägers. Sie habe mit den Jahren immer mehr unter ihrem Beruf gelitten. “Die
Arbeit war kräftezehrend, das Personal ständig überlastet. Mich machte das
fertig”, erinnert sich Lüdtke. Sie habe sich wie kurz vor einem Burn-out gefühlt, als ein Mann in ihr Leben trat. Mit ihm träumte sie von einer
leichteren Zukunft. Drei Jahre waren sie ein Paar, reisten um die Welt, und er
versprach ihr, sie müsse nicht mehr arbeiten, er trage für alles Sorge. Also
kündigte Sandra Lüdtke ihren Job und zog mit ihrem Partner zusammen. Doch es
funktionierte nicht. “Wenige Monate später stand ich ohne Mann, ohne Arbeit und
ohne Wohnung da”, sagt sie. “Aber ich war frei.”
