Drei Hauptstädte, drei Kooperationsvereinbarungen: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat auf seiner Reise nach Riad, Abu Dhabi und Doha am Wochenende einige Erfolge vermelden können. Mit Saudi-Arabien traf er nach eigenen Angaben eine „wichtige Vereinbarung“, die „den Grundstein für künftige Verträge, technologische Zusammenarbeit und Investitionen“ lege. Die amtliche saudische Nachrichtenagentur meldete, beide Länder hätten eine Absichtserklärung über Rüstungsbeschaffungen unterzeichnet.
Auch mit den Vereinigten Arabischen Emiraten vereinbarte der ukrainische Präsident, in Zukunft in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung zusammenzuarbeiten. Mit Qatar schloss Selenskyj nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Doha ein Abkommen über die Verteidigungszusammenarbeit. Der ukrainische Präsident sprach von einer Partnerschaft, die sich über zehn Jahre erstrecken solle. In der qatarischen Mitteilung wurde deutlich, worum es den Herrschern am Golf vor allem geht: die Abwehr von Drohnen. Damit hat das ukrainische Militär nach Jahren des russischen Angriffskriegs reichlich Erfahrung.
Vom Bittsteller zum Anbieter
Die Abwehr von Drohnen ist für die reichen Golf-Monarchien oft ein kostspieliges Unterfangen. Deren Luftabwehr stützt sich in erster Linie auf moderne Abfangraketen, die Millionen von Dollar kosten. Die Ukraine produziert inzwischen Abfangsysteme, mit denen ein Drohnenabschuss nur wenige Tausend Dollar kostet. Selenskyj konnte sein Land daher nicht mehr nur als Hilfeempfänger präsentieren, sondern als Anbieter von effektiver Militärtechnik.
Die ukrainischen Systeme könnten Milliarden von Dollar wert sein, erklärte der ukrainische Präsident. Jeder verstehe, „dass kein anderes Land als die Ukraine mit seiner Expertise“ beim Abschuss iranischer Drohnen helfen könne. Selenskyj hatte schon vor seiner Reise mehr als 200 Fachleute in die Region entsandt. Im Gegenzug erhofft sich die Ukraine strategische Partnerschaften und Geld, was ihr helfen soll, eigene Engpässe bei der Beschaffung von Waffen und Munition auszugleichen. In den Gesprächen ging es laut Agenturberichten auch um künftige ukrainische Energieeinkäufe aus der Golfregion.

Wachsender Unmut am Golf über Russland
Im Zuge der iranischen Angriffe auf die arabischen Golfstaaten könnte sich dort die politische Stimmung zugunsten der Ukraine verschieben. Qatar, die Emirate oder Saudi-Arabien haben gute Beziehungen zu Russland. Sie wollten sich im Großkonflikt mit dem Westen nicht auf eine Seite stellen und auch lieber als Vermittler zwischen Moskau und Kiew agieren. Zuletzt hatte es in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Emirate, Verhandlungen gegeben. Doch die enge russische-iranische Zusammenarbeit führt zu zunehmender Verstimmung am Golf, wie es von Diplomaten heißt.
Russland hatte sich mit Shahed-Drohnen iranischer Bauart ausgerüstet, die es inzwischen selbst produziert. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ stellt Moskau dem iranischen Regime sogar verbesserte Drohnentechnologie zur Verfügung. Diese umfasse Komponenten modifizierter Shahed-Drohnen, die der Verbesserung der Kommunikation, Navigation und Zielerfassung dienen sollen. Russland lasse Iran außerdem seinerseits von Erfahrungen aus dem Krieg gegen die Ukraine profitieren und gebe taktische Empfehlungen dazu, wie viele Drohnen bei Einsätzen eingesetzt werden sollten und aus welcher Höhe sie ihre Angriffe fliegen sollten. Doch die Drohnen aus Iran treffen nicht nur amerikanisches Militär, sondern auch zivile Infrastruktur in den arabischen Golfstaaten.
Die Wut darüber scheint sich nun stärker gegen Moskau zu richten. Aus gut informierten Quellen vom Golf heißt es jedenfalls, die Kooperation zwischen Iran und Russland werde genau zur Kenntnis genommen und nicht folgenlos bleiben. Sie bestätigten auch Berichte, wonach Israel zuletzt mit Luftangriffen gegen russisch-iranischen Waffenschmuggel über das Kaspische Meer vorgegangen ist. Auch diese Verbindung ist am Golf bekannt.
