DIE ZEIT: Samuel Koch, Sie spielen derzeit den Wallenstein an den Münchner Kammerspielen. Im Dezember ist nur einen Tag vor der Vorstellung Ihr Kind zur Welt gekommen. Wie schafft man es, sieben Stunden konzentriert Theater zu spielen, wenn man Stunden vorher eine Geburt erlebt hat?
Samuel Koch: Nun ja, die wahren Heldentaten haben in diesen Stunden ganz andere vollbracht. Raus aus dem Krankenhaus, auf die Bühne und wieder zurück: Das war kein Heldenstück, aber tatsächlich surreal. Ich habe einen Einsatz verpasst, ein Satz war kurz weg. Aber irgendwie war ich beflügelt und musste zwischendurch grinsen. Manche Sätze Wallensteins bekamen plötzlich einen absurden Beigeschmack: “Ich zürnte mit dem Schicksal, dass mir’s den Sohn versagt, der meines Namens und meines Glückes Erbe könnte sein … mein schnell verlöschtes Dasein weiter leiten. Ich tat dem Schicksal unrecht.”
