
Die Quartalszahlen von Samsung sind eine Machtdemonstration. Zwar gab der Elektronikriese aus Südkorea in seiner Börsenmitteilung vom Dienstag kaum mehr bekannt als die erwarteten Zahlen für den Umsatz und den Gewinn. Ausführliche Einblicke in die Geschäftszahlen folgen später im Monat. Doch schon aus dem kleinen Zahlenwerk ließ sich ablesen, wie groß die Marktmacht der großen Chiphersteller geworden ist. Der Umsatz ist binnen eines Jahres um 67 Prozent in nie gesehene Höhen gestiegen, der operative Gewinn um satte 755 Prozent. Das spricht dafür, dass Samsung innerhalb kurzer Zeit deutlich höhere Preise bei seinen Kunden durchsetzen und gleichzeitig höherwertige Produkte auf den Markt bringen konnte.
Der größte Hersteller von Speicherchips profitiert von zwei Megatrends: zum einen der Krise am Markt für Speicherchips, wo ein rückläufiges Angebot die Preise hat in die Höhe schießen lassen, und zum anderen dem fortdauernden Boom der Künstlichen Intelligenz, für deren rasante Verbreitung derzeit Rechenzentren in aller Welt gebaut werden. Erst im vergangenen Jahr hat Samsung hier bei den Speicherchips mit besonders hohen Bandbreiten technologisch zu seinen ärgsten Wettbewerbern SK Hynix und Micron aufgeschlossen.
Der Gewinnsprung – nicht nur im abgelaufenen, sondern auch schon im vorherigen Quartal – spricht dafür, dass die Koreaner gut im Milliardenmarkt der großen KI-Firmen wie Nvidia angekommen sind. Die Aktien beider Wettbewerber stiegen am Dienstag ebenfalls kräftig – die Investoren sehen den KI-Markt offenbar auch für drei starke Anbieter als weiterhin groß genug an.
Auch die Pläne, die Kunden künftig in längerfristigen Verträgen zu binden, zeigen, mit welch breiter Brust Samsung auftritt. Wie krisenfest das Geschäft ist, muss sich aber erst noch zeigen. Südkorea ist schon in den Krisenmodus gewechselt, weil die viertgrößte asiatische Volkswirtschaft in hohem Maße an Energie- und Rohstofflieferungen aus dem Nahen Osten hängt. Außer für Öl und Gas müssen die Konzerne und die Regierung dort auch für Stoffe wie Helium in Windeseile neue Lieferanten finden. Für Samsung könnte eine weitere Eskalation in Nahost üble Folgen haben. Falls die Waffenruhe nicht hält, müssen sich die Kunden wohl auf weiter steigende Preise am Chipmarkt einstellen.
