Ein Blick auf die offizielle Internetseite des britischen Königshauses genügt, um festzustellen: Thronfolger William hat ein Problem. Unter dem Unterpunkt „The Royal Family“ werden 13 Mitglieder der Königsfamilie aufgeführt. Bis auf die letzten beiden, das Herzogspaar von Sussex, Prinz Harry und Meghan, die nur anstandshalber noch namentlich genannt werden, zählen die restlichen elf zu denjenigen, die regelmäßig Termine für den König wahrnehmen. Sie sind die „Working Royals“, Teil der Firma, die Jahr für Jahr weit mehr als 2000-mal im Königreich und dem Rest der Welt für den Monarchen öffentlich auftreten und ihn so bei seinen Verpflichtungen entlasten.
Nur zwei von ihnen sind deutlich unter 60 (William und Catherine), zwei sind gerade 60 geworden (Prinz Edward und seine Frau Sophie), sieben haben das Rentenalter schon weit überschritten. König Charles ist mit seinen 77 Jahren bei Weitem nicht der Älteste, das ist sein Onkel Edward, Herzog von Kent. Der ist 90, seine Schwester Prinzessin Alexandra ist ein Jahr jünger, es folgt das Herzogspaar Gloucester: Richard ist 81, seine Frau Birgitte 79 Jahre alt. Königin Camilla ist 78, Prinzessin Anne 75.
In den Nullerjahren schien das Königshaus für die Zukunft gewappnet
Als vor zwei Jahren plötzlich gleich zwei der elf wegen ihren Krebsdiagnosen über Wochen und Monate ausfielen, Charles und seine Schwiegertochter Prinzessin Catherine, zeigte sich auf dramatische Weise, wie dünn die Personaldecke bei Hofe geworden ist. Das sah in den Nullerjahren noch ganz anders aus: Zwei junge Prinzen rockten das Königreich und verhießen einen Aufbruch ins neue Jahrtausend, den die Königin mit Stolz beobachtete. Als die beiden dann auch noch ihre Familien gründeten, schien das Königshaus für die Zukunft gewappnet.
Doch dann scherten der Zweitgeborene Harry und seine Frau Meghan plötzlich aus. Der andere Zweitgeborene, Charles’ Bruder Andrew, war 2020 schon länger Persona non grata. Nun sind neben Andrews früherer Frau, Sarah Ferguson, auch noch ihre beiden Töchter mit in den Strudel um Kontakte zu dem verurteilten amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geraten.
Der künftige König kann damit gedanklich gleich zehn der ersten 15 Namen aus der britischen Thronfolgeliste für sich streichen. Zu den Streichkandidaten zählen neuerdings auch Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie. Zumindest momentan scheint es für den 43-Jährigen nicht opportun, sich öffentlich mit seinen Cousinen zu zeigen (schon an Weihnachten sollen Kronprinz William und seine Frau es vermieden haben, auf Fotos mit ihnen zu erscheinen).

Denn auch die Prinzessinnen hatten Kontakt zu Epstein, wie die neuen Akten aus dem Januar belegen, und trafen sich noch 2009 mit ihm zu einem Essen in Florida, nachdem er wegen Missbrauchs Minderjähriger schon verurteilt worden war und dafür mehrere Monate im Gefängnis saß. Beatrice und Eugenie waren damals 20 und 19 Jahre alt.
Das Königshaus scheint sich nun aber neu aufzustellen, wie am vergangenen Sonntag beim traditionellen Gang zum Ostergottesdienst zu sehen war. Im Mittelpunkt des Interesses stehen plötzlich die nächsten zehn auf der Thronfolgeliste, die dem Rang nach eigentlich keine große Rolle spielen sollten. Doch es sind die Kinder genau der zwei Familienmitglieder, die seit Jahren für Elisabeth II. und danach auch für Charles stets eine feste Bank waren und es bis heute auch sind: Prinzessin Anne und Prinz Edward.
Auf die Familien von Anne und Edward ist Verlass
Vor allem Anne gilt als das Arbeitstier in der Familie. Im vergangenen Jahr absolvierte sie für den König 478 Termine; Edward und seine Frau Sophie kamen zusammen auf 548. Der König dankte dem Paar seine treue Gefolgschaft, indem er die beiden schon 2023 zum Herzog und zur Herzogin von Edinburgh ernannte. Ein Titel, den zuvor Charles’ Vater Prinz Philip ehrenhalber getragen hatte.
Annes ältester Sohn galt als Lieblingsenkel von Elisabeth II. Peter Phillips, inzwischen 48 Jahre alt, und seine Schwester Zara Tindall wuchsen ohne königliche Titel auf. Mutter Anne lehnte entsprechende Angebote der Königin ab. Das hatte es seit mehr als 500 Jahren im britischen Königshaus nicht gegeben.
Peter Phillips studierte Sportwissenschaften, arbeitete für ein britisches Formel-1-Rennteam, später für die Royal Bank of Scotland. Zara Tindall erbte die Leidenschaft für Pferde von ihrer Mutter und Großmutter, sie ist Europa- und Weltmeisterin im Vielseitigkeitsreiten und gewann 2012 bei den Olympischen Spielen in London mit der Mannschaft die Silbermedaille. Sie ist mit dem ehemaligen Rugbyspieler Mike Tindall verheiratet.

Der frühere Nationalspieler ist überaus beliebt, auch die Königsfamilie schätzt seinen manchmal etwas derben Humor. Selbst über seinen Einzug in den britischen „Big Brother“-Container 2022 – er belegte am Ende bei „I’m a Celebrity . . . Get Me Out of Here!“ den vierten Platz – sollen König und Königin geschmunzelt haben.
Die Tindalls haben drei Kinder, zwei Töchter, Mia Grace ist zwölf, Lena Elizabeth sieben, und den fünf Jahre alten Sohn Lucas Philip. Zara Tindall ist nicht nur Patentante von Prinz George, dem womöglich künftigen König nach seinem Vater William, sie tritt auch zuletzt immer öfter mit ihrer Mutter Prinzessin Anne auf, was darauf hindeutet, dass sie dereinst ihre zahllosen Pflichten für die Krone übernehmen könnte.
Im Juni steht wieder einmal eine Hochzeit im Königshaus an
Ihr Bruder, Peter Phillips, ist geschieden und hat sich im August 2025 neu verlobt: Am 6. Juni will er die ebenfalls geschiedene Kinderkrankenschwester Harriet Sperling heiraten – und das nur im kleinsten Kreise. Zu seiner Familie gehört dann auch Stieftochter Georgina Sperling. Die 13-Jährige hatte am Ostersonntag Premiere und durfte erstmals mit König und Königin zur Kirche gehen, zusammen mit ihren künftigen Stiefschwestern, der 15 Jahre alten Savannah und der 14 Jahre alten Isla Phillips.
Auch Edwards Kinder sind weder Prinz noch Prinzessin, nur Andrew hatte das Privileg für seine beiden Töchter genutzt. Beatrice und Eugenie lassen sich zudem auch als „Ihre Königlichen Hoheiten“ anreden. James, der Graf von Wessex, ist das jüngste Enkelkind von Elisabeth II. und 30 Jahre jünger als sein Cousin Peter Phillips.

Auf ihn besonders richteten sich am vergangenen Sonntag alle Blicke, auch weil er erstmals nicht weit hinten, sondern mit seinem Vater Edward direkt hinter der Thronfolgerfamilie zur Messe ging. Darin sahen manche Hofberichterstatter einen neuen Aufbruch. Der achtzehnjährige Cousin von William könnte künftig eine prominentere Rolle spielen, genauso wie seine vier Jahre ältere Schwester, Lady Louise.
James übernahm den nachgeordneten Höflichkeitstitel eines Grafen von Wessex von seinem Vater im Jahr 2023, als dieser Herzog von Edinburgh wurde. Tochter Louise verband eine besondere Leidenschaft mit ihrem Großvater Prinz Philip, das Kutschfahren.
Louise studiert Englisch an der Universität St Andrews in Schottland und konnte deshalb nicht zum Ostergottesdienst kommen. Genauso wie ihre Mutter Sophie, die kurzfristig wegen einer Erkältung absagen musste. So war es James, der an der Seite von Thronfolger William zum Sinnbild des Neuanfangs im Königshaus wurde. Die „Daily Mail“ ernannte ihn sogleich zu „Großbritanniens begehrtestem Junggesellen“. Noch aber muss der im Dezember volljährig gewordene Hoffnungsträger erst einmal die Schule abschließen, am altehrwürdigen und privaten Radley College in Oxfordshire.
