Deftig, mit frischen, an Aromen reichen Zutaten, einfach, aber nicht einfallslos: So lässt sich die Küche Sardiniens charakterisieren. Geprägt ist sie von einer bäuerlichen Tradition und Produkten, die typisch sind für die italienische Mittelmeerinsel: Wildfleisch, Fisch, Brotfladen, vor allem aber Schafkäse. Es gibt vieles, was die sardische Küche mit anderen italienischen Regionalküchen verbindet, aber auch vieles, das sie unterscheidet und zu etwas ganz Eigenem macht. Der intensive, kräftige Geschmack der Gerichte etwa. Oder der nicht gerade sparsame Einsatz von Kräutern, die den Speisen eine eigene, manchmal ungewöhnliche Note verleihen.
In der Rhein-Main-Region, insbesondere in Frankfurt, gibt es eine ganze Reihe sardischer Restaurants. Doch als Luigi Dessi Ende der Siebzigerjahre sein Lokal in der Mainmetropole eröffnete, war er noch ein Pionier. Im Stadtteil Nordend übernahm der Einwanderer eine aufgegebene Apfelweinkneipe – und weil sein Lokal im Haus Rohrbachstraße 16 zu finden war, nannte er es schlicht „Nr. 16“.
Üppige Portionen, randvolle Weingläser
Dessi hatte als junger Mann auf Sardinien noch als Hirte gearbeitet. So lernte er, zu melken, zu schlachten und Fleisch zu verarbeiten. Nach Deutschland kam er als sogenannter Gastarbeiter und verdiente seinen Lebensunterhalt in den Farbwerken Höchst, bevor er sich schließlich als Gastronom selbständig machte. Das Ristorante „Nr. 16“ eröffnete Dessi zusammen mit seiner Frau Luana und gab ihm eine ganz eigene Marke. Das Ehepaar tischte Pasta und Wildschwein auf, die Portionen waren üppig, die Weingläser wurden bis zum Rand gefüllt. Und an den Wänden hingen ausgestopfte Vögel, Hirschgeweihe und Knoblauchknollen. Immer ging es lebendig und locker zu. Das kam bei den Frankfurtern gut an, das Lokal war Abend für Abend rappelvoll.

Und so ist es, nach mittlerweile zwei Umzügen innerhalb der Stadt, auch heute noch. Nur steht schon länger nicht mehr Luigi Dessi hinter dem Tresen, jetzt sind es seine Kinder, die das Restaurant führen. Und auch der rustikale Kneipencharme des Lokals ist gewichen. Aufgeräumt-modern und warm beleuchtet zeigt sich „Nr. 16“ nun in einem Backsteinbau an der Löwengasse in Bornheim. Jagdtrophäen hängen an den Wänden des Lokals aber immer noch. Und die Atmosphäre ist herzlich wie eh und je.
Treu geblieben ist sich die Familie auch in der Küche. Der „Insahada alla Murrisceddu“ (21 Euro), den man sich als Vorspeise gut teilen kann, ist ein Klassiker des Lokals: eine riesige Schüssel voller Salat, Schafskäse, Thunfisch. Das Rezept für das kräftige Dressing mit viel Chili, Knoblauch und Kräutern hat Luigi Dessi vor vielen Jahren zusammengestellt, es überzeugt noch immer. Schön scharf und ebenfalls seit Ewigkeiten beliebt sind die hausgemachten Würstchen (4 Euro je Stück), die aus Rind, Lamm und Wildschwein hergestellt werden.
Butterzartes Wildschweinfleisch
Als Hauptspeisen stehen, neben Rinderfilets und einigen Fischgerichten, vor allem Pastagerichte auf der Karte. Wer bei den Vorspeisen schon zugeschlagen hat, kann sich unbesorgt einen Teller teilen, so groß sind die Portionen. Besonders gut abgeschmeckt sind die sardischen Nudeln mit Wildschweinfleisch (26 Euro): Das Fleisch wird in einer cremigen Soße aus Tomaten, Wacholder und Wein gekocht und ist butterzart, bestreut wird das Gericht mit einer ordentlichen Schicht Schafskäse.
Noch üppiger und deftiger sind die dicken Nudeln mit Bombolonisoße (24 Euro): In einem würzigen Tomatensud schwimmen große Hackfleischbällchen. Und die Penne in einer öligen Knoblauch-Oliven-Kräuter-Soße (24 Euro) werden mit scharf angebratenem Spanferkelfleisch aufgetischt. Das ist alles keine leichte Kost, aber großartiges Wohlfühlessen.
Obwohl schon reichlich satt, sollte man am Ende auch noch ein Dessert probieren. Statt auf Klassiker wie Pannacotta oder Tiramisu könnte die Wahl auch auf hausgemachtes Kokoseis (neun Euro) fallen. Das wird überraschend reduziert – und gar nicht üppig – serviert und überzeugt ebenfalls: eine halbe, ausgehöhlte, mit nicht zu süßem Eis gefüllte Kokosnuss. So endet der Abend mit der Erkenntnis, dass auf „Nr. 16“ auch nach so vielen Jahrzehnten noch immer Verlass ist.
„Nr. 16“, Löwengasse 27a, Frankfurt, Telefon 069/464 591. Geöffnet montags bis samstags von 18 bis 23.30 Uhr, sonntags geschlossen.
