
Der älteste Sohn des letzten Schahs von Persien sagt, er bereite sich auf eine Rückkehr in seine Heimat vor, die er vor mehr als 47 Jahren verlassen hat. Viele Iraner dürften dabei an Ajatollah Ruhollah Khomeini denken, der im Februar 1979 zwei Wochen nach der Flucht des Schahs aus dem Pariser Exil zurückkehrte und sich an die Spitze der Revolution stellte.
Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischen beiden: Anders als der islamische Revolutionsführer verfügt der frühere Kronprinz nicht über ein stabiles Netz an Vertrauten im Land, auf das er sich im Falle einer Machtübernahme stützen könnte. Die breite Unterstützung für ihn ist ein neues Phänomen. Sie hat damit zu tun, dass die Iraner keine Alternative sehen.
Der 65 Jahre alte Pahlavi präsentiert sich als Vaterfigur „ohne Eigeninteressen“, wie er es kürzlich in einem Interview formulierte. Er wolle als „unparteiischer Schlichter“ einen demokratischen Übergangsprozess anführen. Vorerst ist Pahlavi derjenige, der der bisher führerlosen Protestbewegung ein Gesicht gibt. Seit Donnerstag ist es ihm gelungen, den zuvor unkoordinierten Demonstrationen eine Richtung zu geben. Zudem steht er als Ansprechpartner für ausländische Regierungen bereit.
Politisch aktiv im Exil in den USA
Der wohlhabende Schah-Sohn hat mehr als sein halbes Leben damit verbracht, sich im amerikanischen Exil als Alternative zur Islamischen Republik in Stellung zu bringen. Der Enkel des Dynastiegründers hatte Iran kurz vor der Revolution verlassen, um sich in den USA zum Kampfpiloten ausbilden zu lassen. Er behauptet, mit Regimekräften in Kontakt zu stehen, die ihre Bereitschaft zur Fahnenflucht signalisiert hätten. Gemeinsam mit einer Denkfabrik hat er einen 100-Tage-Plan für eine technokratische Übergangsregierung formuliert. Während der Proteste 2022 bildete er mit anderen Exilgruppen eine Allianz, die aber schnell im Streit zerfiel.
In Deutschland wurde sein Profil geschärft, als er 2023 Gast der Münchner Sicherheitskonferenz war. Zwei Jahre später wurde er informell wieder eingeladen, durfte dann aber doch nicht kommen. Pahlavi warf der Bundesregierung vor, sie habe Einfluss genommen, um das Regime in Teheran zu besänftigen.
Viel beachtet war sein Besuch 2023 in Israel. Außer seiner Gastgeberin, der damaligen Geheimdienstministerin Gila Gamliel, traf er auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Dieser sei „klar auf unserer Seite“, sagte er kürzlich. Im Oktober 2025 berichtete die Zeitung „Haaretz“ über eine „breit angelegte digitale Einflusskampagne“ zur Unterstützung Pahlavis, die aus Israel heraus betrieben worden sei. Donald Trump dagegen hat öffentlich bisher nicht Partei für den Schah-Sohn ergriffen.
