Der Reiz des Reality-Fernsehens, sollte man dafür empfänglich sein, besteht im Wesentlichen in der Illusion, dass dort etwas gezeigt wird, was man eigentlich nicht sehen darf: das zutiefst Private von vorerst unbekannten Figuren inklusive ihrer rohen Emotionen, die mehrheitlich als Geschrei und Tränen nach außen dringen. Anschließend wird dieses Material sorgfältig inszeniert, sodass Erzählungen entstehen und Konflikte, die zuletzt bewältigt werden können. Üblicherweise muss durch die Anwesenheit der Kameras und die Rezeption des Publikums diese vermeintliche Wirklichkeit von der Produktion immer stärker erschaffen werden. Bei der Sendung The Secret Lives of Mormon Wives (in Deutschland auf Disney+ zu sehen) ist das “Reale” in den vergangenen Wochen jedoch derart real geworden, dass mittlerweile nur noch die Hartgesottensten hinsehen möchten. Sie können beobachten, wie das Reality-Fernsehen in Echtzeit an seinem eigenen Schauspiel scheitert.
