Nach wie vor unklar ist das Motiv für die tödlichen Schüsse, die am Dienstagmorgen in einem Bistro in Raunheim im Landkreis Groß-Gerau gefallen sind. Auch zur Identität der beiden getöteten Männer hat die Polizei bis Dienstagmittag keine Angaben gemacht. Nach den Tätern wurde den ganzen Tag über mit einem Großaufgebot gefahndet.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei hat der unbekannte Täter gegen 3.45 Uhr das Bistrorante „Onyro“ an der Frankfurter Straße betreten, das üblicherweise bis 5 Uhr morgens geöffnet hat. Dann sollen sofort Schüsse gefallen sein. Die Opfer seien noch in dem kleinen Lokal, das große Fensterfronten, einen Wintergarten und eine Außenterrasse hat, an den Folgen ihrer schweren Verletzungen gestorben, hieß es.

Wegen des Großeinsatzes der Polizei wurden unter anderem die Mainzer, die Frankfurter und die Kelsterbacher Straße zeitweise in beiden Richtungen gesperrt. Der Berufsverkehr rund um die fast 17.000 Einwohner zählende Kleinstadt am Main war spürbar beeinträchtigt. Die Nachricht von den Schüssen in Raunheim verbreitete sich schnell in der ganzen Rhein-Main-Region. Rund um den Tatort, von dem der Schütze offenbar unerkannt fliehen konnte, war ein Hubschrauber im Einsatz. Raunheim liegt verkehrsgünstig in der Nähe Frankfurts und des Flughafens.
Polizei nennt keine Identitäten
Die Fahndung laufe, die Hintergründe der Tat seien aber noch völlig unklar, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen am Dienstagvormittag mit. Auf die Frage, ob der Täter möglicherweise im Zusammenhang mit dem Bistro stehe, sagte der Sprecher: „Das müssen die weiteren Ermittlungen zeigen.“ Ob im Umfeld des Lokals schon früher ermittelt wurde, war zunächst ebenfalls unbekannt.
Die Tat in der Nacht auf Dienstag erinnert viele Menschen in der Region an die „Eisdielen-Morde“ im benachbarten Rüsselsheim. Am 12. August 2008 hatten sich damals Mitglieder zweier verfeindeter Gruppen, die – wie sich später herausstellte – allesamt bewaffnet waren, zu einer „Aussprache“ vor dem Eiscafe „De Rocco“ verabredet. Soweit bekannt ist, ging es dabei um Wettschulden und damit verbundene Geldforderungen. Es fielen Schüsse, zwei Männer starben. Ebenfalls ums Leben kam eine zufällig in der Nähe vorbeigehende Passantin, die von einem Querschläger getroffen wurde. Es gab außerdem mehrere Verletzte.
Eine ähnliche Gewalttat ereignete sich am 22. April 2024 in Rüsselsheim vor einem Lokal an der Waldstraße. Es ging, wie das Gericht im Mordprozess später feststellen sollte, dabei um Drogengeschäfte und um verletzte Ehre. Ein 40 Jahre alter Kokain-Dealer hatte einem vier Jahre älteren Mann aufgelauert, weil er mit ihm noch eine „Rechnung“ offen zu haben glaubte. Das von mehreren Schüssen tödlich getroffene Opfer soll dem später in Schweden festgenommenen Angeklagten einige Monate zuvor ein Ohrläppchen abgeschnitten haben.
