Willkommen im neuen Jahr. Draußen tobt Schneehexe Elli, neben dem Trump-Liveticker (Wann fällt Kuba? Wann Kolumbien? Wann Kalifornien?) verfolgen wir parallel nun gebannt die Winterwetter-Ticker, erfüllen aber auch unter diesen erschwerten Bedingungen tapfer unsere Pflicht. Wir telefonieren, wir koordinieren, wir lesen „Bild“ und „Bunte“ und haben uns im wahrsten Sinne in unserem Büro eingeschlossen. Niemals käme es uns in den Sinn, jetzt eine Stunde Tennis zu spielen, das allerdings auch deshalb, weil wir das gar nicht können.
Am Puls der Zeit ist wie stets die „Bild“-Zeitung, die „40 Fragen zu Schnee und Kälte“ aufwirft, darunter etwas überraschend diese: „Muss ich bei Kälte häufiger aufs Klo?“ Wir haben uns nicht angeschaut, was der „Bild“-Redakteur sich selbst darauf antwortet, würden aber sagen: Wer nur über eine Außentoilette verfügt, zu erreichen über einen jetzt mit zwei Meter Tiefschnee bedeckten Hof, der wird schon aufgrund der verfluchten Psychologie noch mehr als sonst den Drang verspüren, rauszumüssen.
Tennis-Crack mit links
Lenken wir uns besser ab mit, tja, Tennis: Boris Becker ist entschlossen, das im November geborene Töchterchen Zoë Vittoria zu seiner Nachfolgerin aufzubauen. „Neue Welt“ schreibt: „,Ich übe jetzt schon mit ihr und greife immer die linke Hand, weil ich will, dass sie mal Linkshänderin wird und so vielleicht später mit links die Vorhand spielt‘, verrät der 58-Jährige in der Sendung ,3 nach 9‘.“ Da drücken wir dem stolzen Vater den linken Daumen bei seinem Versuch, der Genetik ein Schnippchen zu schlagen. Noch einen Vorteil könnte er Zoë Vittoria verschaffen, indem er den Schnuller stets hoch über sie hält, dann wird sie sicher mal 1,85 groß.
Große Pläne hat auch Mel Gibson, der laut „Bild“ gleich zwei weitere Jesus-Filme plant, nämlich einen „Zweiteiler über die Auferstehung“. Wir können unsere Skepsis nicht verhehlen: In den 33 Jahren vor seinem Tod ist im Heilandleben ja weit mehr passiert als in den 40 Tagen danach. Da könnte so ein Zweiteiler doch einige Längen aufweisen, ähnlich wie die arg gestreckten finalen Folgen von „Stranger Things“, die zusehends auf Spezialeffekte setzten; solche dürfte es bei einem Film zum Thema Auferstehung ebenfalls reichlich geben.
Alle paar Monate im Koma
Auch schon seit 33 Jahren spielt Wolfgang Bahro bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ den fiesen Anwalt Jo Gerner; jetzt ist er bei RTL ausnahmsweise als Profiler zu sehen. „Drehen konnte er den Krimi nur, weil er als Jo Gerner im Sommer mehrere Wochen im Koma lag“, weiß „Frau im Spiegel“, was die Frage aufwirft, wie Bahro mögliche Fortsetzungen bewerkstelligen sollte: Würde sich das Publikum nicht wundern, wenn Gerner alle paar Monate wieder ins Koma fällt? Andererseits: Es ist ja nur „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.
Bahros Schauspielkollege August Zirner freut sich in „Bild“ über seine „liebevolle Familie“ und sagt: „Wir können uns streiten und auch noch sehr gernhaben.“ Das hört man ja häufiger bei Streitigkeiten: Du kannst mich gernhaben. Außerdem erzählt Zirner: „Ich übe sehr viel Flöte. Flöteüben ist wie Meditieren.“ Für seine liebevolle Familie hingegen dürfte sein Flöteüben so ziemlich das Gegenteil von Meditation sein.
„Blitz-Hochzeit auf den Malediven“ titelt „Bunte“ über Dieter Bohlen und Carina Walz, obgleich beide seit 2006 ein Paar sind. Ob es dann noch mal 20 Jahre dauert, bis es bei Bohlens donnert? Letzteres hat es längst bei einem Schlagersängerpaar: „Er erkennt mich und hat mein Schloss gesprengt“, hat „Woche der Frau“ zufolge Michelle über ihren Partner Eric Philippi gesagt. Schon kurios: Wo sich andere Frauen freuen, wenn ihnen ihr Märchenprinz ein Schloss baut, jubelt Michelle, wenn ihres gesprengt wird.

James Middleton, Bruder von Prinzessin Kate, trägt laut „Bunte“ stets ein Porträt seiner Hündin Ella bei sich. „Aber nicht etwa ein Foto: James ließ Ella von einer Malerin in Briefmarkengröße verewigen.“ Erstaunlich: So eine Malerin in Briefmarkengröße dürfte gar nicht leicht zu finden gewesen sein. Doch hat die für so ein Bild nicht eine Ewigkeit gebraucht?
Bei der Münchener Premiere des Circus Krone traten derweil Löwen auf, und „Bunte“ schreibt, der Dompteur „zeigte ausgewählte Zärtlichkeiten mit den Tieren“. Dass wir den Satz leicht verstörend finden, liegt gewiss nur an unserer verkorksten Phantasie.
Einem „Bunte“-Interview mit Jens Spahn entnehmen wir: Er spielt gern „Mensch ärgere Dich nicht“, hat einen 1987er Mercedes erworben und schaut „gerade gern ,Matlock‘ oder ,Derrick‘-Folgen. Diese alten Serien entschleunigen mich.“ Spahnsche Zukunftspolitik sieht dann wohl so aus, dass er sich für den NATO-Doppelbeschluss und für eine geistig-moralische Wende einsetzt.
Wir wiederum wären nun fertig mit der Arbeit – jedoch haben wir vorhin nicht ganz die Wahrheit gesagt: Nicht wir selbst haben uns im Büro eingeschlossen, sondern der Hausmeister, der längst weg ist und nicht mehr ans Handy geht. Es könnte ein verdammt langes Wochenende werden.
