Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 15/2026.
Eine goldene
Regel der Medizin lautet: Wollen Pharmafirmen ein neues Medikament auf
den Markt bringen, müssen sie zeigen, dass es besser wirkt als ein
Scheinmedikament ohne Wirkstoff, also ein Placebo. Sonst gibt es keine Zulassung. Klingt total logisch.
Als Gesundheitsjournalist beuge ich mich des Öfteren über Zulassungsstudien. Was mich dabei immer wieder erstaunt: wie
stark der sogenannte Placebo-Effekt sein kann. Und wie oft Entwickler
von Medikamenten daran scheitern, dass ein paar Mehlkügelchen oder eine
Kochsalzlösung den gleichen Effekt hervorrufen wie
ihre Hightech-Medizin. Nachahmungen winziger zellulärer Signalmoleküle
etwa, in der Grundlagenforschung mühsam entdeckt, dann erst in
Zellkulturen, später in Mäusen und oft auch in kleineren Studien mit
Menschen mit vielversprechender Wirkung getestet. Plötzlich folgt in der großen
klinischen Studie die Enttäuschung: Der Effekt geht nicht über Placebo hinaus. Das passiert ziemlich oft. Entwicklung gescheitert. Aber gleichzeitig zeigen die Studien: Den Menschen in der Placebo-Gruppe geht es häufig besser als vorher.
