Dass es auffallend häufig Rentner sind, gegen die wegen vermeintlicher Politikerbeleidigung ermittelt wird, ist ein Ausdruck der neuen Zeiten: Früher lehnten sie schimpfend am Gartenzaun, heute hängen sie überm Laptop. Das nun eingestellte Verfahren gegen den Rentner, der den Bundeskanzler im Netz Pinocchio nannte, ist für „Bild“ ein Riesenthema, und für die literarisch weniger bewanderten Leser erklärt sie, wer diese Holzpuppe eigentlich ist: „Immer wieder gerät Pinocchio durch Lügen und falsche Entscheidungen in Schwierigkeiten – dabei wächst jedes Mal seine Nase. Auf seiner abenteuerlichen Reise lernt er Lektionen über Ehrlichkeit und Verantwortung.“ Ein Kanzler, der Lektionen über Ehrlichkeit und Verantwortung lernt: Müsste man sich einen solchen nicht wünschen?
Über die Lügen wiederum lesen wir bei Wikipedia: Nur zweimal im Buch lügt Pinocchio, worauf seine Nase wächst. „Bei Collodi ist Pinocchio kein notorischer Lügner, sondern ein leichtsinniger Faulpelz“, heißt es, und der Vorwurf, ein Faulpelz zu sein – womöglich gar mit intakter Work-Life-Balance – müsste Merz noch viel härter treffen. In Sachen Ehrlichkeit aber ist Pinocchio im Grunde ein Vorbild: Ein Politiker, der jede Lüge tunlichst vermeiden müsste, weil sofort seine Nase wüchse – den würden wir wählen. Im wahren Leben ist es leider anders, sonst würde Trumps Nase mehrfach um den Erdball reichen. Selbst damit würde er dann aber noch prahlen und sich den prachtvollsten Zinken aller Zeiten bescheinigen.
Die „Intouch“ ist das Branchenblatt für Bodyshaming
Körperliche Merkmale bei Frauen hingegen sind ein heikles Thema. „Intouch“, das Branchenmagazin für Bodyshaming, hat eine ganz heiße Sache aufgedeckt und titelt: „Eva Longoria – Die nackte Wahrheit – Cellulite, Dehnungsstreifen, schlaffe Haut: Auch die Stars sind nicht perfekt!“ Im Artikel wird Longoria mit den Worten zitiert: „Schönheit ist Selbstvertrauen“ – was sie nicht davor rettet, mit ihrer Cellulite auf dem Cover zu landen.
Auch Jennifer Lopez hilft ihr Satz „Ich akzeptiere mich so, wie ich bin“ nicht weiter, denn „Intouch“ hat genau hingeschaut: „Das Bindegewebe an ihrem Bauch hat sich nie so ganz von ihrer Zwillingsschwangerschaft vor knapp 16 Jahren erholt, die Folge: Trotz knallhartem Training und dem Körperfettanteil eines Steins wirft die Haut bei Bewegung unschöne Falten.“ Sehr, sehr unschön, das alles. Chirurgische Eingriffe wären aber auch keine Lösung, denn dann würde „Intouch“ wieder mit einer Schlagzeile ankommen wie: „Beauty-Schock – Was ist mit ihrem Gesicht passiert?“
Kurz irritiert hat uns eine Titelschlagzeile von „Das Neue“ über den Skandalsohn der norwegischen Kronprinzessin: „Marius Høiby – Klapse statt Knast?“ Wir dachten erst, ein paar Klapse wären als Strafe kaum angemessen für seine Verfehlungen, bis uns auffiel, dass das Heft mit „Klapse“ die volkstümliche Umschreibung der Forensischen Psychiatrie wählte.

Seine Probleme mit Alkohol und Drogen überwunden hat, entnehmen wir „Bunte“, der Schauspieler Jason Bateman, der jetzt allerdings gescherzt habe, er sei „auf die ,kalifornische Art‘ nüchtern“ – denn „hin und wieder rauche er Marihuana“. Nüchtern auf Berliner Art hieße dann wohl, bei der Molle den Korn wegzulassen, und auf münchnerische Art, zwar noch jede Menge Koks zu konsumieren, doch dazu nur ein halbes Glas Champagner.
Eine Marotte, die wir partout nicht kapieren, ist es, immer wieder in aller Öffentlichkeit sein Eheversprechen zu erneuern. „Es war noch schöner als beim ersten Mal“, hat laut „Bunte“ Paris Hilton geschwärmt, nachdem ihr Ehemann wieder vor ihr auf die Knie ging. Tragen bald alle Leute 30 Ringe an den Fingern? Und wer soll sich die ganzen Hochzeitstage merken? Konsequenterweise müssten die Heiratswütigen eigentlich auch ihre Trennungen mehrfach zelebrieren, doch da begnügen sie sich meist mit einem Mal.
Eine „Klarstellung“ muss „Bunte“ drucken. Anlässlich eines von ihrem Mann inszenierten Theaterstücks hatte sie Michaela May interviewt und als Titelschlagzeile gewählt: „Erotik hält unsere Liebe jung“. May lege nun aber „großen Wert auf die Feststellung, dass sie diesen Satz so nicht gesagt hat. ,Bunte‘ hatte mit obiger Formulierung eine Passage aus dem autorisierten Interview zusammengefasst. Die zusammengefasste Passage lautet im Wortlaut: ,Ich glaube, dass die körperliche Nähe sehr wichtig ist für eine funktionierende Beziehung . . . Die Sehnsucht nach körperlicher Liebe bleibt: Ich möchte den Menschen ganz und gar, mit Haut und Haar!“ Da war sogar ein netter Reim drin (gar/Haar), jedoch weder das Wort Erotik noch die junggehaltene Liebe. „Bunte“ dürfte eine Lektion über Ehrlichkeit und Verantwortung gelernt haben.
Dabei haben May und ihr Mann noch Glück gehabt, denn „Bunte“ hatte gefragt: „Im Theaterstück finden die Ehekonflikte ein Happy End – mit Sex auf dem Wohnzimmerteppich. Ist Erotik wichtig?“ Daraus hätte „Bunte“ ja auch eine Schlagzeile mit noch anderen Wörtern basteln können. Zum Beispiel mit „Wohnzimmerteppich“.
