Nachdem sich ein vor dem Timmendorfer Strand gestrandeter Wal mithilfe einer tagelangen Rettungsaktion selbst befreien konnte, machen sich Experten weiter Sorgen um die sichere Rückkehr des Tieres in den Atlantik. Der Wal schwamm am Freitagnachmittag aus der Lübecker
Bucht in Richtung Mecklenburg, allerdings in Küstennähe. Es sei vor
Warnkenhagen (Nordwestmecklenburg) gesehen worden, sagte eine Sprecherin
von Sea Shepherd. Mitglieder der Meeresschutzorganisation sowie von
Greenpeace begleiteten das Tier mit Schlauchbooten. Nach mehreren
Stunden beendeten sie die Beobachtung über Nacht.
Zeitweilig sei der Wal wieder auf dem Weg ins flachere Wasser
gewesen, sagte ein Sprecher von Sea Shepherd. Mit den Schlauchbooten
hätten die Organisationen eine Art Blockade hergestellt, damit er nicht
wieder ins Flachwasser gerate. Man versuche, ihn irgendwie weiter in
tiefere Stellen der Ostsee zu geleiten.
Dem Meeresbiologen Robert Marc Lehmann zufolge soll das erschöpfte Tier an der Küste bei Neustadt vorbei in Richtung der Insel Fehmarn manövriert werden. Das Ziel sei Dänemark. Dafür stehe man auch schon in Kontakt mit den dortigen Polizeibehörden und Einsatzkräften, sagte Lehmann in einem Video auf Instagram.
Zu Hause sei der Wal erst im Atlantik
Es komme darauf an,
dass das Tier im offenen Wasser bleibe und möglichst in die Nordsee
schwimme, sagte Lehmann. Noch sei der Wal nicht in Sicherheit. Die Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern
nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei der Wal erst
im Atlantik, sagte der Meeresbiologe.
Am morgigen Samstag wollen die Umweltschützer und Einsatzkräfte der
Wasserschutzpolizei wieder zum Wal hinausfahren, wie eine
Greenpeace-Sprecherin sagte. Voraussetzung sei, dass man die Position
des Tieres ausmachen könne. Sie bat die Bevölkerung, mitzuhelfen und Sichtungen des Wals entweder zu melden oder in sozialen Medien zu posten. Technisch lässt sich der Kurs des Meeressäugers nicht verfolgen. An dem Tier sei kein Sender angebracht worden, da die Haut zu sehr erkrankt sei, erklärte Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung.
Am vergangenen Montag war der Buckelwal auf der Sandbank vor Timmendorf Strand entdeckt worden. Nach tagelangen Bemühungen zahlreicher Helfer und mithilfe einer ausgegrabenen Rinne hatte das Tier in der Nacht selbst den Weg zurück in die Ostsee gefunden. Die bisherigen Kosten der Rettungsaktion schätzte der Bürgermeister von Timmendorf Strand auf 40.000 Euro.
