Roland Weißmann, der bisherige Intendant des Österreichischen Rundfunks (ORF), ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Damit reagiere er
auf einen Vorwurf sexueller Belästigung, den er selbst aber
zurückweise, teilte der ORF mit. Weißmann arbeitete seit 1995 beim ORF.
Der Stiftungsrat des ORF
sei 2022 von einer Mitarbeiterin über unangemessenes Verhalten Weißmanns zu
Beginn seiner Amtszeit als Intendant informiert worden, teilte Weißmanns
Anwalt mit. Das Gremium habe Weißmann daraufhin eine Frist von
wenigen Tagen zum Rücktritt eingeräumt. Der Anwalt kritisierte diese Fristsetzung, die erfolgt sei, “obwohl mein Mandant die
Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe
nicht erfolgte”. Um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, sei Weißmann dennoch mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.
Der Stiftungsrat pochte auf eine Überprüfung der Vorwürfe: “Der im Raum stehende Vorwurf verlangt dennoch eine rasche und
transparente Aufklärung in enger Kooperation mit der
ORF-Compliance-Stelle, bei der die Wahrung des Schutzes der betroffenen
Person das oberste Ziel sein müsse”, hieß es vom ORF.
Wechsel an der Spitze
Der Rat dankte dem 57-Jährigen nach Angaben des Senders jedoch für seine Verdienste und die 30-jährige Tätigkeit für den ORF. Die amtierende Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher übernimmt nach Angaben des ORF vorläufig
die Führung des Senders. Demnach teilte der Stiftungsrat zudem mit, die Wahl des neuen ORF-Generaldirektors werde wie geplant stattfinden und der neue Generaldirektor werde dann ab Januar 2027 die Führung des ORF übernehmen.
Weißmann wollte den ORF
digitaler, jünger und gesellschaftlich vielfältiger machen. Unter
seiner Leitung wurde das Online-Angebot für junge Zielgruppen ausgebaut.
Der 57-Jährige wurde 2022 zum ORF-Intendanten gewählt. Zuvor war er Mitte der 1990er Jahre zum ORF
gekommen und wurde schon bald mit leitenden Redaktionsposten betraut.
2012 wurde er Chefproducer der Fernsehsparte, 2017 auch
stellvertretender Finanzchef.
Der Wechsel an der Spitze kommt wenige Wochen vor dem vom ORF veranstalteten Eurovision Songcontest (ESC) in Wien. Die Veranstaltung ist aufwendig: Es gibt insgesamt neun Liveshows – das Finale am 16. Mai,
zwei Halbfinal-Events am 12. und 14. Mai sowie zu jedem Termin zwei
Pre-Shows, die als Probedurchlauf und zur Jurybewertung dienen sollen.
