
Es gab für sie nichts mehr zu verlieren, weil das erste Ziel, das auf ihrem Wunschzettel für den Aufenthalt in Mailand ganz oben gestanden hatte, schon erreicht war. Doch es kam am Dienstag noch besser für die deutschen Eishockey-Frauen und sie gewannen ein weiteres Mal das gute Gefühl eines Erfolgs hinzu: Sie schlossen am Abend die Vorrunde mit einem 2:1 (0:0, 1:1, 1:0) gegen Italien ab.
Da Konkurrent Japan am Mittag gegen Gruppengewinner Schweden 0:4 verloren hatte, waren die Deutschen nicht mehr aus den Top drei der Gruppe zu verdrängen und hatten das Viertelfinal-Ticket sicher, bevor für sie der Puck ins Spiel kam. Durch den Sieg, den dritten in der vierten Partie, wurden sie Zweiter. Die K.-o.-Phase beginnt an diesem Freitag. Die Auswahl von Bundestrainer Jeff MacLeod muss dann entweder gegen die Vereinigten Staaten oder Kanada antreten. Beide sind gleichermaßen Favoriten auf die Goldmedaille.
Kluge bringt die Wende
Im ersten Abschnitt gegen die Italienerinnen, die sich in der temporären Eishockey-Arena auf dem Mailänder Messegelände der stimmgewaltigen Unterstützung der Mehrheit der 3898 Zuschauer sicher sein konnten, nahmen die deutschen Offensivbemühungen vor allem dann Kontur an, wenn Nina Jobst-Smith die Dinge bestimmte. Mit ihren Pässen brachte sie ihre Vorderleute in Abschlusspositionen, doch an Gabriella Durante, die als Keeperin der ebenfalls qualifizierten „Gli Azzurri“ ihre Abwehraufgabe aufmerksam versah, gab es zunächst kein Vorbeikommen.
Bei beiden Unterzahlsituationen, die die Deutschen bis zur 20. Minute zu überstehen hatten, war für sie Verlass auf die Reaktionsschnelligkeit von Torfrau Sandra Abstreiter. Ein abgefälschter Schuss, dem Justine Reyes auf Vorlage von Anna Cauma die entscheidende Richtungsänderung verlieh, brachte Italien 21 Sekunden nach Beginn des zweiten Drittels in Führung, auf die den Deutschen aber eine passende Antwort einfiel: Laura Kluge lief mit dem Puck am Schläger und in einem Tempo, mit dem sie die Verfolgerinnen abschüttelte, in die Angriffszone. Ihre Hereingabe drückte Emily Nix über die Linie (33. Minute).
Der Schwung, mit dem sich die Deutschen anfangs überzeugender positioniert hatten, nahm danach ab. In der Statistik wurden bis zum zweiten Gang in die Pause für sie nur noch drei Schüsse aufs Tor notiert, während die Italienerinnen in dieser Phase dreimal so viele abgaben. Auch drei Powerplays ließ MacLeods Ensemble ungenutzt verstreichen, ehe abermals Kluge den Unterschied machte und einen Vorstoß im Alleingang zum 2:1 abschloss (59.). Es war ihr dritter Treffer im vierten Spiel. Damit rückte die gebürtige Berlinerin, die in Nordamerika als Profi in Boston ihr Geld verdient, bis auf Weiteres an die Spitze der Scorerliste.
Dass es nun – unabhängig davon, ob sie die USA oder die Kanadierinnen herausfordern werden – gegen die Besten gehen wird, die es in ihrem Metier gibt, nötigte der 29 Jahre alten Flügelstürmerin Respekt ab, ließ sie aber nicht in Ehrfurcht erstarren: „Wenn man nicht daran glaubt“, sagte Kluge, „hat man schon verloren.“
