Wenn er an seine Vergangenheit zurückdenkt, kann Daniel Schneider nicht den einen Schlüsselmoment festmachen, der ihm gezeigt hat, dass soziale Arbeit das Richtige für ihn ist. Trotzdem hat sie sich von Anfang an durch seine berufliche Laufbahn gezogen – auch wenn er diese mit einer Ausbildung zum Fachinformatiker begann. Damals habe er sich gedacht, etwas mit Technik zu lernen, sei gut für die Zukunft, erinnert sich Schneider. „Aber das war schon schnell relativ klar, dass das nicht zu mir passt.“
Aus einem Gefühl oder der Hoffnung heraus, eine Art von Hilfslosigkeit in einer Notsituation zu überwinden, orientierte er sich noch während seiner Ausbildung, die er trotzdem abschloss, um und absolvierte anschließend seinen Zivildienst beim Rettungsdienst. Dabei hatte er mehrere Einsätze in einem Drogenhilfezentrum – und sein Interesse war geweckt. In der Zeit habe er dann angefangen zu denken: „Soziale Arbeit könnte das Richtige für mich sein.“ Und er sollte recht behalten: Mittlerweile ist Schneider der stellvertretende Leiter des Kältebusses und der Notübernachtungsstelle am Eschenheimer Tor mit dem dazugehörigen Café.

Aufgewachsen ist der Vierundvierzigjährige im Saarland, auch seine Ausbildung, seinen Zivildienst und eine Hospitanz in einem Drogenhilfezentrum absolvierte er dort. Mit Anfang 20 zog er dann nach Darmstadt, um soziale Arbeit zu studieren. Nach dem Studium arbeitete Schneider in der Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt in der Suchtberatung. Doch nach zwei Jahren merkte er, dass das Arbeitsumfeld nicht das Richtige für ihn war, und wechselte zum Frankfurter Verein in die Straßensozialarbeit – und fand dort seine berufliche Heimat.
Die Arbeit sei zwar anstrengend, aber wenn man seinen Blick und seine Ziele realistisch setze, gebe es viele kleine Errungenschaften, über die man sich „mit Recht“ freuen könne. In der Arbeit mit Obdachlosen sei beispielsweise nicht immer das nächste Ziel, eine Wohnung zu finden. Manchmal wünschten sich die Menschen auch, erst einmal Kontakt mit jemandem aufzunehmen oder wieder eine Versicherung zu haben. „Viele ganz kleine Schritte, die individuell das Leben verbessern“, nennt Schneider es. Und das sei sehr sinnstiftend.
2019 teilte er sich die Leitung einer „Besonderen Wohnform“, einer Einrichtung für Behinderte, mit einer Kollegin und setzte dort das Bundesteilhabegesetz um. Ein Jahr später kehrte er im Frankfurter Verein als stellvertretender Leiter in den Bereich soziale Notlagen zurück, bevor er für zwei Jahre mit seiner Frau nach Madagaskar zog. Als seine Frau schwanger wurde, kehrten die beiden zurück nach Deutschland und Schneider zum Frankfurter Verein. Dort übernahm er dann 2023 die stellvertretende Leitung des Kältebusses und der Notübernachtung am Eschenheimer Tor.
Schneider ist bescheiden, wenn er erzählt, was er erreicht hat. Schließlich sei der Kältebus bereits seit 30 Jahren erfolgreich im Einsatz und auch die Notübernachtung funktioniere, sagt Schneider. Er habe sich „lediglich“ dafür eingesetzt, die beiden Angebote zu modernisieren, digitaler und sicherer für Mitarbeiter und Klienten zu machen.
Für die Zukunft hat sich Schneider nicht viel vorgenommen. Die Qualität der Angebote weiterhin zu halten, zum Beispiel. Und das Leben der Menschen zu verbessern. Individuell und manchmal eben auch sehr kleinschrittig.
