In Dortmund haben knapp 500 Menschen an die Ermordung von
Mehmet Kubaşık vor 20 Jahren erinnert. Der aus der Türkei stammende
Einzelhändler war am 4. April 2006 vom rechtsextremen Terrornetzwerk nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in seinem Kiosk erschossen worden. Der Demonstrationszug mit rund 450 Teilnehmenden führte vonKubaşıks Kiosk
zum Mahnmal für die NSU-Opfer am Dortmunder Hauptbahnhof.
Bei der Kundgebung sprach der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) von einem kaltblütigen und hasserfüllten Mord. Die Familie Kubaşık habe unfassbares Leid,
aber auch Verdächtigungen und Diffamierungen ertragen müssen, sagte Wüst weiter. Der Staat habe aus Opfern zeitweise Verdächtige gemacht. In seiner Ansprache rief er zu entschlossenem Handeln auf:
“Hass und Hetze haben in unserem Land keinen Platz.”
Auch der aktuelle Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) nahm an der Kundgebung teil. Er sprach sich dafür aus, dass Rassismus niemals stärker als der Rechtsstaat sein dürfe. Wüst und Kalouti bezogen sich mit ihren Ansprachen beide auf Fehler während der Ermittlungen.
Kubaşık wurde verdächtigt Teil krimineller Machenschaften zu sein
Der Mord an Kubaşık war Teil der NSU-Mordserie, die am 9. September 2000 begann. Bis 2007 tötete die Terrorgruppe zehn Menschen, neun von ihnen hatten eine Migrationsgeschichte. Kubaşık war der achte Tote. Fälschlicherweise wurde er anfangs von Ermittlern verdächtigt, Teil von kriminellen Machenschaften zu sein. Auch seine Witwe und Tochter waren jahrelang falschen Verdächtigungen ausgesetzt. Erst mit der Enttarnung der NSU-Mitglieder wurde in Richtung rechtsextremer Täter ermittelt.
Kalouti sagte, im Fall Kubaşık habe es eine systematische und strukturelle Vorverurteilung gegeben. Nun gelte es, die Fehler zu erkennen, aufzuarbeiten und die Konsequenzen daraus zu ziehen. Erst das schaffe wieder Vertrauen. “Heute geht es auch um das Versprechen an die Familie Kubaşık, dass wir Aufklärung wollen dass so etwas nicht mehr passieren darf”, sagte Kalouti.
Auch BVB gedenkt Kubaşıks
Vor der Kundgebung kamen etwa 50 Menschen zu einem stillen Gedenken zusammen. Neben Familienangehörigen und Freunden des Ermordeten nahmen auch Oberbürgermeister Kalouti und der türkische Generalkonsul Taylan Özgür Aydin teil und legten Blumen am Gedenkstein für den Ermordeten ab.
Auch Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund erinnerte an das Verbrechen von 2006 und alle Opfer rassistisch motivierter und rechter Gewalt. “Unser Gedenken ist nicht nur ein Akt der Erinnerung, sondern ein klares Bekenntnis zu einer offenen, solidarischen und vielfältigen Stadtgemeinschaft – und gegen rechtsextremen Terror, Ausgrenzung und Demokratiefeindlichkeit”, teilte der Vereinspräsident Hans-Joachim Watzke mit.
