
„Er hat versucht, ihn mir wegzureißen. Zum Glück haben mir meine Leute einen neuen gegeben. Wir waren gut vorbereitet. Wir hatten ein zweites Exemplar“, sagte Vasilj nach dem 1:1 beim 1. FC Union Berlin über Donnarummas aufsehenerregenden Versuch, ihm seinen Elfer-Spickzettel abspenstig zu machen.
Der italienische Torhüter hatte das am Dienstag während des Elfmeterschießens um die WM-Teilnahme gegen Vasilj und Bosnien-Hercegovina erfolglos versucht. „Ich konnte es ehrlich gesagt kaum glauben. Das war das erste Mal, dass mir so etwas passiert ist“, sagte Vasilj.
„Wir haben ein bisschen gestritten, und dann habe ich versucht, mit dem Schiedsrichter zu reden und ihn davon zu überzeugen, dass es eine Gelbe Karte war. Das ist wirklich unsportlich“, sagte der Hamburger Torwart. Am Ende brachte den Italienern das Geplänkel überhaupt nichts. Die Squadra Azzurra verlor und verpasste zum dritten Mal in Serie die WM-Teilnahme.
An den großen Erfolg dachte Vasilj auch noch am Sonntag im Stadion An der Alten Försterei. „Das ist etwas, was vielleicht nur einmal im Leben passiert. Ich bin sehr stolz, dass ich ein Teil davon war“, sagte der Torhüter von St. Pauli. Während der Keeper mit der Nationalmannschaft sein Ziel schon erreicht hat, steht er mit den Kiezkickern nach dem 1:1 in Berlin in der Fußball-Bundesliga weiter unter Druck.
Mit dem Punktgewinn in Köpenick vergrößerte St. Pauli seinen Abstand auf den Tabellensiebzehnten VfL Wolfsburg zwar um einen Zähler, steckt aber noch immer auf dem Relegationsplatz fest. „Ich denke, am Ende müssen wir froh über den Punkt sein“, sagte Vasilj, denn über weite Strecken hatten sich die Hamburger schwer getan. Mathias Pereira Lage (25. Minute) ließ die Gäste kurz auf Big Points im Abstiegskampf hoffen, doch Andrej Ilic (52.) gelang der Ausgleich.
Vasilj hielt seine Mannschaft dabei einige Male im Spiel und bügelte auch seinen eigenen Fehler in der Schlussphase aus, als er den Ball direkt in die Füße von Unions Andras Schäfer spielte. Erinnerungen an die WM-Play-offs wurden wach, als ihm ein ähnliches Missgeschick passierte und Italien so die Führung begünstigte. „Das war nicht so clever“, räumte der 30-Jährige ein. Zum Glück habe er gehalten „und wir können jetzt darüber lachen“.
Die vergangenen Tage waren für den Keeper ohnehin schon turbulent genug gewesen. „Ein unglaublicher Moment“, sagte Vasilj über das Elfmeter-Drama in Bosnien. Nach dem Erfolg habe er „nicht viel geschlafen, vielleicht zwei, drei Stunden“, es sei eine „lange Nacht“ gewesen. Aber „zum Glück“ habe er genug Zeit vor dem richtungsweisenden Duell mit Union gehabt.
Denn das WM-Ticket sei „ein Ziel“ gewesen, erklärte Vasilj, nun gelte „der volle Fokus“ dem Klassenverbleib mit St. Pauli. Als Nächstes wartet in Bayern München an diesem Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) dabei aber eine Mammutaufgabe.
