
Im Untertaunus konkretisiert sich ein aus Sicht der hessischen Landesregierung vorbildliches Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit bei der Energieversorgung. Die drei Kommunen Niedernhausen, Idstein und Eppstein werden gemeinsam und mit dem Energieversorger Mainova als Partner drei Vorrangflächen für die Nutzung der Windenergie entwickeln.
Die Vorrangflächen liegen auf der Gemarkung von Niedernhausen, doch sind zwei davon teilweise im Eigentum von Idstein und Eppstein. Geht alles glatt, könnten sich nach den Erwartungen von Niedernhausens Bürgermeisterin Lucie Maier-Frutig (CDU) im Jahr 2030 die ersten von sieben Windrädern drehen und umweltfreundlichen Windstrom liefern. Davon könnten die kommunalen Haushalte in beträchtlichem Maße profitieren. Die Jahre 2026 und 2027 sind als Zeitraum für die langwierigen Genehmigungsverfahren eingeplant.
In einem öffentlich-rechtlichen Vertrag hatten die drei Kommunen schon vor zwei Jahren ihre Zusammenarbeit bei diesem Vorhaben geregelt. Niedernhausen ist für das Projekt federführend. Das Land hat nun 75.000 Euro als Zuschuss im Zuge des Programms zur Förderung der interkommunalen Zusammenarbeit zugesagt.
Hohe Ersparnisse durch Kooperation
Voraussetzung einer Landesförderung sind absehbare Effizienzgewinne und Einsparungen. Die Ersparnis bei den Personalkosten durch die Zentralisierung der Projektsteuerung beziffert das Land nach heutigem Stand auf 147.000 Euro. Zudem ersparen sich die drei Kommunen Kosten für eine externe Beratung in Höhe von 66.000 Euro.
Innenstaatssekretär Martin Rößler lobte bei der Übergabe des Zuschusses im Rathaus Niedernhausen die Weitsicht der drei beteiligten Kommunen und ihre vorausschauende Planung für die Erzeugung von grünem Strom. Das Projekt hebe Synergieeffekte und leiste zudem einen wertvollen Beitrag zur Energieversorgung.
Am Bau der drei Windparks im Untertaunus hatte es reges Interesse möglicher Partner gegeben. Nach einem sogenannten Markterkundungsverfahren war die Wahl schließlich auf die Frankfurter Mainova AG gefallen. Insgesamt waren im Rathaus Niedernhausen 13 Angebote eingegangen, und vier Anbieter waren in die Endauswahl gekommen. „Bau und Betrieb von Windkraftanlagen sollen mit größter Rücksicht auf Wald, Boden und Trinkwasser erfolgen“, sagte die Bürgermeisterin zu den Auswahlkriterien.
Bürgerentscheid war knapp ausgefallen
Laut Maier-Frutig suchten die Kommunen für die Windparks nach einem verlässlichen Partner, der die Region und die lokalen Gegebenheiten kennt. Damit sollen auch nachträglich einige der vielen Skeptiker des Projekts besänftigt werden. Bei einem Bürgerentscheid im Oktober 2023 hatte in Niedernhausen nur eine knappe Mehrheit von 51,8 Prozent der Wähler die ihnen vorgelegte Frage bejaht, dass „Windkraftanlagen innerhalb der ausgewiesenen Vorranggebiete auf den gemeindeeigenen Waldflächen errichtet werden“.
Maier-Frutigs Botschaft: „Wir arbeiten mit jemandem zusammen, der umsichtig mit der Natur um uns herum umgeht.“ Aktuell werden nun die Nutzungs- und Pachtverträge durch eine von den beteiligten drei Kommunen beauftragte Anwaltskanzlei geprüft.
Offen ist noch, ob und wie sich die Kommunen über die Bereitstellung der Flächen hinaus an dem 100-Millionen-Euro-Projekt beteiligen, beispielsweise durch einen Einstieg in die Betriebsgesellschaft. Auch die Bürger der drei Kommunen sollen die Möglichkeit haben, von der grünen Stromversorgung vor ihrer Haustür unmittelbar finanziell zu partizipieren. Aufgestellt werden Windräder der neuesten Generation mit einer Nabenhöhe von knapp 200 Metern. Die genaue technische Konfiguration wird noch festgelegt.
