Seit dem Inkrafttreten des Abkommens 2011 haben beide Vertragsparteien technologische Fortschritte gemacht: So arbeiten etwa sowohl Russland als auch die USA an Hyperschallwaffen; lenkbaren Marschflugkörpern, die mit zehnfacher (oder noch höherer) Schallgeschwindigkeit fliegen und potenziell nuklear bewaffnet werden können. Solche Waffen sind von New Start nicht abgedeckt, da sie zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung nicht existierten.
Vor allem Russland arbeitet an mehreren Systemen, die eine Übertragung der in New Start festgelegten Kategorien in einen neuen Vertrag erschweren. Das betrifft etwa den nuklear angetriebenen Marschflugkörper Burewestnik, der derzeit erprobt wird, und die Hyperschallwaffe Awangard. Beide Systeme hatte Putin 2018 vorgestellt: Sie sollten dazu beitragen, die strategischen Streitkräfte Russlands grundlegend neu aufzustellen. Inwiefern sie inzwischen einsatzbereit sind, ist umstritten.
Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit die später von Biden vorgenommene Verlängerung um fünf Jahre abgelehnt. Grund dafür ist vor allem die Forderung des damaligen und heutigen US-Präsidenten, auch China in die atomare Abrüstung einzubeziehen. So forderten die USA bereits 2019 einen neuen Vertrag, der “Russland und China” sowie “alle Waffen, alle Sprengköpfe, alle Raketen” einbeziehen müsse. China lehnte 2019 ab, sich einem Rüstungskontrollvertrag zu unterwerfen und ist bis heute bei dieser Haltung geblieben.
Die Rolle Chinas ist auch jetzt zentral – nicht nur aus Trumps Sicht. So warnte bereits 2023 eine überparteiliche Kommission des US-Kongresses, dass die USA sich darauf einstellen müssten, in Zukunft nicht nur Russland, sondern auch China und somit erstmals zwei ebenbürtige Atommächte abschrecken zu müssen. Kritiker von New Start bemängeln daher, die in dem Vertrag festgelegten Obergrenzen hinderten die USA daran, Parität mit China und Russland zugleich zu erreichen.
Grund für die Besorgnis ist das wachsende Atomarsenal Chinas. China besitzt seit 1964 Atomwaffen. Neben den USA und Russland ist es das einzige Land, das über die sogenannte nukleare Triade verfügt, also land-, see- und luftgestützte Atomwaffen. Weltweit einzigartig ist das Tempo, in dem China seine Atomstreitkräfte ausbaut: Besaß das Land 2010 laut Schätzungen 240 bis 260 nukleare Sprengköpfe, waren es 2020 bereits mehr als 300 und 2025 etwa 600. Nach Schätzungen des US-Verteidigungsministeriums könnte China bis 2035 zwischen 750 und 1.500 Atomsprengköpfe besitzen – und so mit Russland und den USA gleichziehen.
