Man
glaubte immer, ihn platzieren zu können, ihn genau zu kennen und greifen zu
können, als profilierten Mann der zweiten Garde. Sein ehernes Gesicht, die stählern
blauen Augen, sein absolutes Gespür für Timing, das alle anderen Schauspieler
im Raum und ihre Impulse zu einem Koordinatensystem verband.
“Du
bist kein Kriegs-Consigliere, Tom.” Mit diesen Worten wird Robert Duvall von Al Pacino in Der Pate einmal kaltgestellt.
Und weil Pacino das sagt, so wie er es sagt, fühlt es sich an wie in Stein
gemeißelt. Aber dann fragt man sich, ob Pacino diesen Tom
Hagen, den irisch-deutschen Adoptivsohn und rationalen Rechtsberater des Corleone-Clans,
bloß schützen möchte vor dem aufziehenden Bandenkrieg, weil er ihn liebt wie
einen leiblichen Bruder, oder ob er ihn kategorisch unterschätzt. Und während
man vermutet und hadert, wird einem klar, dass man eigentlich nichts weiß über
diesen Mann. Und gezwungen ist, mit allem zu brechen, was einem Robert Duvall bisher über
seine Figur gezeigt hat. Für jeden Schritt, für jeden Satz und für jeden Blick
von ihm gibt es eine Kehrseite und eine Hypothek.
