
Die unabhängige Athletenvertretung „Athleten Deutschland“ fordert von der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) die Aufhebung der Sanktionen gegen Fridtjof Petzold sowie die Einstellung des Disziplinarverfahrens gegen den Olympia-Teilnehmer. Konkret geht es um das vorläufige Startverbot sowie die Aussetzung des Kaderstatus durch die DESG, nachdem Petzold die Verbandsführung um den Präsidenten Matthias Große bei den Olympischen Winterspielen in Mailand kritisiert hatte. „Athletinnen und Athleten müssen Kritik üben können, ohne dadurch ihre Kaderzugehörigkeit zu riskieren. Das Verhalten der DESG sendet das gegenteilige Signal – wer Probleme anspricht, wird eingeschüchtert und im Zweifel rausgeworfen“, sagte Johannes Herber, Geschäftsführer von „Athleten Deutschland“, laut einer Mitteilung des Vereins vom Mittwoch. Petzold sei zudem suspendiert worden, „ohne eine Anhörung erhalten zu haben, die ihm nach den einschlägigen Kaderkriterien zugestanden hätte“.
Die DESG-Spitze wiederum hatte Petzold vorgeworfen, mit seiner öffentlich vorgetragenen Kritik gegen die Kaderkriterien verstoßen zu haben. Am Dienstag hatte sich Petzoldts Teamkollege Felix Maly solidarisch erklärt und auf eine mögliche Nominierung für die bevorstehende Mehrkampf-Weltmeisterschaft in Heerenveen verzichtet. „Der solidarische WM-Verzicht von Felix Maly zeigt, was passiert, wenn das Verhalten eines Verbands und die Werte des Sports und der Athletinnen und Athleten derart auseinanderklaffen“, sagte Herber. Schon in der Vergangenheit hätten sich wiederholt Eisschnellläuferinnen und -läufer an den Verein gewandt, um auf Missstände hinzuweisen. Es müsse eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe geben.
„Chance für eine Veränderung“
Der DESG-Athletenvertreter Hendrik Dombek, der zugleich Präsidiumsmitglied bei „Athleten Deutschland“ ist, forderte die DESG-Spitze auf, in einem Dialog mit den Sportlerinnen und Sportlern einzutreten. „Der Verband und seine Mitgliedsorganisationen sollten die gegenwärtige Situation als Chance für eine Veränderung der Kommunikationskultur und des Umgangs miteinander nutzen. Wir, Athletinnen und Athleten, sind bereit, unseren Beitrag zu leisten. Dafür braucht es ein Zeichen der DESG-Führung, dass eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung erwünscht und möglich ist.“
Überdies reichte „Athleten Deutschland“ eine Stellungnahme für den Sportausschuss des Bundestags ein, der sich am Mittwochnachmittag mit der Lage bei der DESG befassen wollte. Darin geht es über den konkreten Fall hinaus auch um grundsätzliche Fragen von guter Verbandsführung im Sinne der Athleten. Der Verein fordert von der Bundesregierung, bei der Vergabe von Fördermitteln neben leistungsbezogenen auch integritätsbezogene Kriterien festzuschreiben und den bisherigen Entwurf des Sportfördergesetzes in diesem Sinne nachzuschärfen.
Zudem müsse ein unabhängiges Clearing-System zur Konfliktlösung eingerichtet werden. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sei in der Pflicht, sich unabhängig von der grundsätzlich geltenden Verbandsautonomie für entsprechende Belange der Athletinnen und Athleten einzusetzen. Von der DESG hat der DOSB eine Stellungnahme angefordert.
