Eine der großen Trainerwahrheiten des Fußballsports lautet: Leistungen lassen sich beeinflussen, Ergebnisse nur bedingt. Mit diesem Argument hat sich Lukas Kwasniok bis zum letzten Tag an seinem Job beim 1. FC Köln festgeklammert. Denn die Leistungen waren regelmäßig gut, nur das Spielglück fehlte, weil zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen störten, weil komplizierte Schüsse, die in neun von zehn Fällen ihr Ziel verfehlen, in den Winkel des Kölner Tores flogen. Und weil die Muskeln wichtiger Spieler im falschen Moment Zerrungen erlitten.
Das ist die Kwasniok-Erzählung, die einen wahren Kern hat. Sogar in der offiziellen Erklärung zur Trennung weist Sportchef Thomas Kessler auf die „leidenschaftlichen und ordentlichen Auftritte“ hin. Das Problem lautet: „Wir haben zu wenige Punkte geholt – das ist die Realität.“ Übersetzt heißt das: Kwasniok wurde nicht aufgrund der Leistungen entlassen, sondern wegen der Ergebnisse, womit sich Kessler auf ein gefährliches Terrain begibt.

Mit dem Trainerwechsel macht er das Kölner Bundesligaprojekt endgültig zu seinem Baby. Kwasniok war bereits unter dem im vorigen Mai entlassenen Geschäftsführer Christian Keller ein Thema. Der Stratege hinter dem teuren Kaderumbau nach dem Aufstieg im vorigen Sommer ist aber Kessler. Das Gleiche gilt für die Beförderung von Assistenztrainer René Wagner, den Kessler schon mit dem Gedanken nach Köln holte, für den Notfall einen Ersatz für Kwasniok zu haben. Wobei nicht so leicht greifbar ist, worin die Not eigentlich bestand.
Kwasniok kaum zu kontrollieren
Sieben Spieltage vor Schluss steht das Team auf einem Nichtabstiegsplatz, das Saisonziel ist erreichbar. Und der mit Trainerwechseln oft angestrebte Effekt der Befreiung einer Mannschaft aus einer durch zu viel Misserfolg kontaminierten Beziehung zu ihrem Coach ist in diesem Fall eher unwahrscheinlich. Das Team spielte ja bis zuletzt meist ordentlich und voller Hingabe Fußball.
Im Falle von Lukas Kwasniok war jedoch ein anderer Faktor relevant: Der gebürtige Pole ließ sich nicht besonders gut von seinen Vorgesetzten kontrollieren. Die Meinungsäußerungen Kwasnioks zu Fanprotesten, sein Umgang mit dem Supertalent Said El Mala und mit verschiedenen Themen rund um die Spiele haben regelmäßig Erstaunen und mitunter Unruhen ausgelöst. Vielleicht hätte ein erfahrener Sportdirektor das besser ausgehalten als Kessler.
Der junge Kölner Sportchef, der – abgesehen von zwei Jahren als Leihspieler – von 2002 bis heute nur beim 1. FC Köln aktiv war, hat nun gemacht, was hier immer gemacht wird, wenn nach Konsequenzen gerufen wird: den Trainer entlassen. Nun soll Kesslers öffentlich kaum bekannte Entdeckung Wagner, 37 Jahre, den Abstieg vermeiden. Das kann schon klappen, aber es wäre auch gut möglich, dass sich dieser Schritt als Fehler genau jener Sorte entpuppt, die auch Kwasniok zu oft gemacht hat: zu glauben, viele Dinge einfach besser zu wissen als die meisten anderen.
