
Mehr als 80 Jahre nach dem Tod von Italiens faschistischem Diktator Benito Mussolini (1883-1945) ist dessen Sommerresidenz verkauft worden. Die Villa Mussolini an der Strandpromenade des Badeorts Riccione an der Adria gehört jetzt der dortigen Gemeinde. Der Kaufpreis betrug nach Angaben von Bürgermeisterin Daniela Angelini 1,2 Millionen Euro. Bislang war das mehr als 130 Jahre alte Gebäude im Besitz einer Stiftung.
Die Villa wurde bereits in den vergangenen Jahren von der Gemeinde als Kultur- und Ausstellungszentrum genutzt, gehörte jedoch einer Sparkassen-Stiftung. Bürgermeisterin Angelini bezeichnete den Kauf als „Entscheidung mit Weitblick“: „Riccione verdrängt seine komplexe Vergangenheit nicht, sondern verarbeitet sie kritisch durch die Kultur.“ Zwischenzeitlich war auch befürchtet worden, dass Mussolini-Nostalgiker die Villa übernehmen könnten.
Gemeinde will an Namen festhalten
Der Verkauf ging bereits vor mehreren Tagen über die Bühne, wurde aber nicht größer beachtet. In der Vergangenheit hatte es mehrfach Kontroversen um den Namen gegeben. Die Gemeinde will an der Bezeichnung Villa Mussolini jedoch festhalten. Das Gebäude wurde um 1890 im typischen Stil der Ferienhäuser an der Adriaküste erbaut. 1934 kauften es die Mussolinis und nutzten es als Sommerresidenz. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Anwesen in Staatseigentum über und dann an die Stiftung.
In Italien gibt es immer noch zahlreiche Mussolini-Anhänger, auch in der Regierungspartei Fratelli d’Italia (Brüder Italiens) von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die ihre Wurzeln im Postfaschismus hat. In verschiedenen Gemeinden wird Mussolini bis heute als Ehrenbürger geführt. Immer wieder gibt es auch Demonstrationen, bei denen Alt- und Neofaschisten den rechten Arm zum eigentlich verbotenen „Römischen Gruß“ in die Höhe strecken.
Mussolini kam in Rom 1922 an die Macht – also mehr als ein Jahrzehnt, bevor dies in Deutschland den Nationalsozialisten unter Adolf Hitler gelang. Nach seiner Absetzung 1943 stand der „Duce“ (Führer) mit Hitlers Hilfe in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs einem Vasallenstaat vor, der „Republik von Salò“. Auf der Flucht in die Schweiz wurde er von Partisanen am Comer See erschossen. Sein Grab in der norditalienischen Gemeinde Predappio ist ein Treffpunkt von Neofaschisten.
