
Nicht jede Auslandsreise, die der Bundeskanzler oder der Außenminister jetzt unternehmen, muss man als Suche nach neuen Partnern in einer neuen Weltordnung überhöhen. Deutschlands Interessen gingen immer über Europa und die transatlantischen Beziehungen hinaus, an den Golf fuhren schon die Vorgänger von Merz.
Was der deutschen Außenpolitik gerade in den Ampeljahren geschadet hat, war mehr ihre Ausrichtung auf Themen wie sexuelle Minderheiten oder den Klimaschutz sowie das oberlehrerhafte Auftreten deutscher Ministerinnen. Gerade im Nahen Osten hat Deutschland damit an Einfluss verloren, auch wenn für die Region die Vereinigten Staaten immer wichtiger sein werden als europäische Länder.
Wichtige deutsche Interessen
Merz hat dazu gesagt, was selbstverständlich sein sollte in der Außenpolitik, in Deutschland aber in Vergessenheit geraten ist: Partner sein können auch Länder, die „nun nicht alle die gleichen Werte und Interessen teilen“, weder untereinander noch mit Deutschland. Freihandel, Öl und Gas, aber auch Rüstungsexporte lauten die Stichworte, die wichtige deutsche Interessen in Saudi-Arabien, Qatar oder den Emiraten beschreiben.
Über Menschenrechte kann man reden, aber man sollte realistische Erwartungen haben und die Golfstaaten „nicht mehr unter Generalverdacht stellen“, wie Merz es ausdrückte. Politik sei die Kunst des Möglichen, soll Bismarck gesagt haben. Für die Außenpolitik gilt das ganz besonders.
