
Vom Präsidentenpalast Miraflores, den der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro in den vergangenen zwölf Jahren bewohnte, ist sein neues Zuhause in New York nicht nur geographisch weit entfernt. Seit die amerikanische Anti-Terror-Einheit Delta Force den Dreiundsechzigjährigen am vergangenen Wochenende in Caracas verhaftete, haust er vergleichsweise schlicht in einem der berüchtigtsten Bundesgefängnisse der Vereinigten Staaten.
Das Metropolitan Detention Center in Brooklyn, kurz MDC, gilt seit der Eröffnung vor mehr als 30 Jahren als überfüllt, verschmutzt und gefährlich. „Das MDC ist bekannt für eine ungewöhnlich hohe Zahl von Verfehlungen des Wachpersonals“, sagte Cameron Lindsay, ein früherer Leiter der Haftanstalt, dem Sender Spectrum News. „Aus Gründen der Sicherheit“ würden Maduro und seine mit ihm festgenommene Ehefrau Cilia Flores getrennt von ihren etwa 1300 Mithäftlingen untergebracht. „Wahrscheinlich verbringen sie jeden Tag etwa 23 Stunden in der Zelle, natürlich in unterschiedlichen Flügeln des Gefängnisses“, sagte Lindsay. Die meisten Zellen des MDC sind nicht größer als 7,5 Quadratmeter für Bett, Schreibtisch und Edelstahltoilette. Nach der ersten gerichtlichen Anhörung, bei der sich Maduro und seine Ehefrau zur Anklage wegen Drogenterrorismus für unschuldig erklärten, bleiben sie dort vorerst bis Mitte März, wenn ihr nächster Termin vor dem Bundesgericht ansteht, in Haft.
Ghislaine Maxwell monierte die „einzigartigen, beschwerlichen Bedingungen“
Was den Staatschef und die venezolanische First Lady in den kommenden Wochen erwartet, lassen Beschwerden über das Metropolitan Detention Center von früheren prominenten Insassen erahnen. Während Ghislaine Maxwell, Komplizin des New Yorker Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, im Sommer 2020 hinter Gittern auf ihren Prozess wartete, monierte sie die „einzigartigen, beschwerlichen Bedingungen“ des MDC. Das frühere It-Girl der Londoner Partyszene wurde in ihrer Zelle angeblich mit Kameras überwacht, nachts im Stundentakt geweckt und sah Ratten über den Boden laufen.
Auch der gefallene Hip-Hop-Star R. Kelly fühlte sich in Brooklyn alles andere als wohl. Der damals wegen organisierter Kriminalität und sexuellen Missbrauchs angeklagte Sänger ließ seine Verteidigerin Jennifer Bonjean vor drei Jahren Anzeige gegen die Haftanstalt erstatten. Wegen mutmaßlicher Suizidgefahr musste R. Kelly damals Unterwäsche und Gefängnisoverall gegen ein papierartiges Outfit tauschen und auf einer Pritsche schlafen. „Nach den Regeln des Metropolitan Detention Center werden prominenten Personen die harten Bedingungen der Suizidprävention aufgezwungen, unabhängig davon, ob sie gefährdet sind oder nicht“, beschwerte sich die Juristin. „Das MDC wird geführt wie ein Gulag.“
Das Essen soll das Haltbarkeitsdatum regelmäßig überschritten haben
Sean „Diddy“ Combs, der vor seinem Strafprozess wegen Förderung von Prostitution eine Zelle mit dem Kryptobetrüger Sam Bankman-Fried teilte, stieß die Verpflegung des MDC auf. Das Essen, beschwerten sich die Anwälte des Sängers, habe das Haltbarkeitsdatum regelmäßig überschritten und sei von Maden bevölkert. „Die Haftbedingungen sind unmenschlich“, schimpfte sein Verteidiger Marc Agnifilo vor der Urteilsverkündung im vergangenen Sommer. Weitere bekannte Insassen wie die Schauspielerin Allison Mack („Smallville“), der wegen der Ermordung des Managers Brian Thompson angeklagte Luigi Mangione und auch der inzwischen wegen Drogenverbrechen verurteilte Rapper Fetty Wap sollen immer wieder Beschwerden eingelegt haben. Da das MDC nach der Schließung des ähnlich berüchtigten Metropolitan Correctional Center (MCC) in Manhattan das einzige Bundesgefängnis in New York ist, fallen Verlegungen aber aus.
Das MCC, auch bekannt als „Guantanamo von New York“, war nach dem Tod des Sexualstraftäters Epstein in einer Zelle im Sommer 2019 weiter in Verruf geraten. Ermittlungen ergaben damals erfundene Protokolle des Wachpersonals, unterlassene Kontrollgänge und Sicherheitskameras, die nicht funktionierten. Wie Cameron Lindsay, der frühere Leiter des MDC, nach Maduros Umzug in die Haftanstalt andeutete, sind die Insassen in Brooklyn auch nicht sicher. Bei einer Razzia fanden Bundesbeamte im Jahr 2024 hinter Gittern nicht nur Drogen und Mobiltelefone. Sie stellten auch selbst gebaute Stichwaffen (Shivs) sicher.
Nach mehreren Morden und Angriffen unter Gefangenen, die im MDC in der Regel auf den Strafprozess warten und nach einem Schuldspruch in andere Gefängnisse verlegt werden, verzichten einige Richter inzwischen darauf, wegen Steuervergehen oder Betrugs Verurteilte bis zur Strafmaßverkündung in den 13 Stockwerke hohen Betonbau zurückzuschicken. „Hier herrschen Chaos und unkontrollierte Gewalt“, sagte der Bundesrichter Gary Brown – und verwies auf den Fall eines Angeklagten, der im MDC Stichverletzungen erlitten hatte. Statt den Verletzten medizinisch zu versorgen, schloss das Wachpersonal ihn mehr als vier Wochen lang in der Zelle ein.
Die Bundesbehörde für Haftanstalten, die das MDC führt, setzte vor einigen Monaten eine Taskforce ein, um „die Herausforderungen in Brooklyn“ zu untersuchen. Neben Ärzten und Pflegern wurden inzwischen auch mehr Wachleute eingestellt. Zudem veranlasst die Behörde Reparaturen an dem in die Jahre gekommenen Bau, um den Ausfall von Heizung und Stromversorgung künftig zu verhindern. Für Maduro und seine Ehefrau dürfte es dennoch ein kalter Winter werden. In ihrer Heimat Caracas ist es in diesen Wochen sommerlich warm. New York friert derweil bei weniger als zehn Grad.
