Vor Beginn des Prozesses gegen Marius Borg Høiby hatte Norwegens Kronprinz Haakon klargestellt, dass kein Mitglied des Königshauses im Gerichtssaal anwesend sein werde. Dabei ist es geblieben. Auch Høibys Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, ist bisher kein einziges Mal erschienen, um ihrem Sohn den Rücken zu stärken. Vor Gericht zur Seite stand ihm nur sein Vater, Morten Borg. Der besuchte Høiby auch im Osloer Untersuchungsgefängnis.
Borg hatte Mette-Marit Tjessem Høiby, wie die heutige Kronprinzessin damals hieß, vor 30 Jahren in Oslo kennengelernt. Mette-Marit war damals 22 Jahre alt, Borg fünf Jahre älter. Beide waren Teil der Osloer Partyszene. Es war eine Zeit, in der – wie Mette-Marit einst vor der Hochzeit mit Haakon öffentlich beichtete – „experimentiert“ und „Grenzen überschritten“ wurden. Mette-Marit lebte damals in einer Wohngemeinschaft, kellnerte und studierte. Die Affäre mit Borg währte nur kurz, doch ging der Sohn Marius daraus hervor.
Schwere Rauschgiftdelikte, Gewalt, Trunkenheit am Steuer
Als Kronprinz Haakon 1999 in das Leben von Mette-Marit trat, war der „kleine Marius“, wie er später von einer begeisterten Öffentlichkeit genannt wurde, zwei Jahre alt. Haakon nahm den kleinen blonden Jungen mit offenen Armen auf, zeigte sich vom Jahr 2000 an öffentlich mit ihm. Doch just in dem Jahr, in dem Haakons Verbindung mit Mette-Marit öffentlich wurde, wurde Marius’ leiblicher Vater wegen des Besitzes von 50 Gramm Kokain zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Schon zuvor war er wegen schwerer Rauschgiftdelikte, Gewalt und Trunkenheit am Steuer verurteilt worden. Wohl auch deshalb war er dann später nur sehr selten zu Gast bei Feierlichkeiten im Königshaus. Überhaupt trat der heute 57 Jahre alte Finanzanalytiker nur selten in der Öffentlichkeit auf. Zugegen war er etwa bei Marius’ erstem Schultag und bei seiner Konfirmation.

Die Polizei hatte Borg auch als Zeugen befragt im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen seinen Sohn. Auch durchsuchte sie seine Wohnung, beschlagnahmte dort offenbar Datenträger. Um eine Razzia aber habe es sich nicht gehandelt, ließ Borg norwegische Medien wissen. Mehr wollte er dazu nicht sagen. Zu den Vorwürfen gegen seinen Sohn äußerte er sich nicht.
Prozess läuft noch bis Mitte nächster Woche
Høiby ist vor dem Osloer Bezirksgericht in mehr als 30 Punkten angeklagt. Darunter vier Vergewaltigungen, Rauschgiftbesitz, Drohungen und Gewalt. Kürzlich beantragten seine Anwälte seine Entlassung aus der Untersuchungshaft, was das Gericht jedoch ablehnte.
Der Prozess läuft voraussichtlich noch bis Mitte nächster Woche. Høiby bestreitet weiterhin die schwersten Vorwürfe, etwa jene der Vergewaltigungen. Andere Vorwürfe aber gestand er ein. Ein kompletter Freispruch wäre deswegen erstaunlich. Auch deswegen, weil vor Gericht gezeigte Videoaufnahmen zu eindeutig die möglichen Vergewaltigungen zeigen.
So soll Høiby mit offenbar stark betrunkenen und daher schlafenden Frauen Geschlechtsverkehr gehabt und sie teils gegen ihren Willen am Unterleib berührt haben. Etwa auch im Dezember 2018 eine junge Frau just in der Residenz des Kronprinzen und der Kronprinzessin in Skaugum. Zu dem Zeitpunkt sollen Kronprinz Haakon und seine Frau Mette-Marit im Haus gewesen sein.
Er habe geschrien, sie sei eine „betrügende verdammte Hure“
Auch gestand Høiby teils ein, Gewalt angewendet und Drohungen ausgesprochen zu haben. Etwa damals im August 2024 gegenüber seiner ehemaligen Freundin im feinen Stadtteil Frogner. Nach diesem Vorfall war er verhaftet, waren seine Mobiltelefone durchsucht und deswegen weitere Vorwürfe erhoben worden. Zu dem Fall sagte Høiby kürzlich vor Gericht, er habe seine frühere Freundin damals im August 2024 als „betrügende verdammte Hure“ angeschrien.
Auch gestand er ein, sie gewürgt zu haben – angeblich aber ohne sein ganzes Gewicht auf sie gelegt zu haben. Die Frau hatte angegeben, damals keine Luft mehr bekommen zu haben. Auch soll er sie geschlagen haben. Dazu sagte Høiby, er glaube den Aussagen der Frau, könne sich aber nicht mehr daran erinnern – er sei völlig außer sich gewesen.
Die Festnahme ging so unauffällig wie möglich vonstatten
Auch Morddrohungen gegen einen Freund der Frau gestand er vor Gericht ein. Auf Instagram hatte er diesem – offenbar aus Eifersucht – geschrieben, dieser sei ein „toter Mann“. Auf der Straße beschimpfte er zudem Passanten, bedrohte die Frau, und drohte, ihre Kleider zu verbrennen. Nach all dem sei er dann zu einem Kumpel gegangen, sagte Høiby, wo er Kokain genommen und „massiv viel getrunken“ habe.
Danach wurde Høiby von seiner Mutter Mette-Marit angerufen. Diese wird in Norwegen derzeit scharf kritisiert wegen ihrer engen Verbindungen zu dem amerikanischen Pädokriminellen Jeffrey Epstein. Dass sie noch Königin werden kann, wird bezweifelt. 2024 soll sie zu ihrem Sohn am Telefon gesagt haben, sie sei von der Polizei kontaktiert worden, höchstwahrscheinlich werde er verhaftet. „Mama sagte: Spring unter die Dusche und zieh dir etwas an, das nicht nach Alkohol stinkt“, gab Høiby vor Gericht an.
Wenig später habe ihn die Polizei angerufen. „Hallo Marius. Wie geht es dir heute?“, fragte ein Polizist. Er habe geantwortet, ihm gehe es heute nicht so gut. Daraufhin habe der Polizist angekündigt, sie kämen nun, um ihn festzunehmen. Laut Høiby schlug der Polizist ein Treffen bei einer Schule in der Nähe vor, um die Sache so unauffällig wie möglich zu gestalten.
