
Der Präsident selbst verlor kein Wort über die drei von Beamten der Einwanderungspolizei ICE erschossenen Amerikaner, berichtete dafür aber mehrmals im Detail von Familien, die Angehörige durch Gewalttaten von Migranten ohne Papiere verloren haben. Es passte zum Show-Charakter des Abends, dass Trump die demokratischen Kongressmitglieder aufforderte, zur sichtbaren Unterstützung eines Einwanderungsthemas aufzustehen – und ihnen nach einer Weigerung dann zurief, sie sollten sich schämen.
Trumps Thema des Abends war neben der Migration die angeblich glorreiche wirtschaftliche Lage der Vereinigten Staaten. Die Leute bäten ihn schon um eine Pause, so viele Erfolge habe er vorzuweisen, scherzte der Republikaner. Er sagte ihnen dann, sie würden bald den „größten Sieg jemals“ erleben. Das steht in krassem Gegensatz dazu, dass eine Mehrheit der Bevölkerung die Wirtschaft immer noch als größtes Problem ansieht. Doch Trumps Schuldiger für alles, was noch nicht perfekt läuft, ist seit jeher sein Vorgänger Joe Biden, das war auch am Dienstagabend nicht anders.
Trotz des massiven Zusammenzugs amerikanischer Militärmacht im Nahen Osten kam Trump erst nach 75 Minuten auf die Außenpolitik zu sprechen. Er erwähnte Iran zwar, ging aber nicht über seine bisherigen Aussagen hinaus, wonach Iran zusagen müsse, niemals Atomwaffen zu besitzen. Er wolle eine diplomatische Lösung, hob Trump abermals hervor. Doch er enthielt sich jeglicher Bemerkung dazu, worauf ein Angriff in Iran konkret zielen würde und welche langfristigen Pläne Washington für die Lage im Land hat.
Trump wiederholte sein Eigenlob für die acht angeblich beendeten „Kriege“. Die Äußerungen zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine fielen trotz des vierten Jahrestags im Vergleich kurz aus. Man arbeite „sehr hart“ daran, auch diesen neunten Krieg zu beenden. Im Wahlkampf hatte Trump gesagt, das werde ihm als Präsident innerhalb eines Tages gelingen.
