
Angesichts der herrschenden Winterkälte ruft die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zu mehr Hilfe für Menschen ohne Wohnung oder Obdach auf. „Bei diesen Temperaturen wird jeder längere ungeschützte Aufenthalt im Freien zur Lebensgefahr“, sagte die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft, Sabine Bösing, am Donnerstag in Berlin. Wer auf der Straße lebt, habe zudem oft Vorerkrankungen und ein geschwächtes Immunsystem. Damit steige das Risiko erheblich. Derzeit leben laut der Arbeitsgemeinschaft bundesweit rund 56.000 Menschen ganz ohne Unterkunft auf der Straße.
Der Appell richtet sich an die Kommunen, aber auch Passanten seien aufgerufen, bei Menschen ohne Obdach nicht wegzusehen und im Notfall den Rettungsdienst zu rufen. Dazu hat der Koordinator des Kältebusses der Malteser in Kiel, Sven Müller, gegenüber der KNA unter anderem die folgenden Tipps geäußert:
Gespräch suchen: Wenn Menschen ungeschützt oder unzureichend warm im Freien sitzen oder liegen, sollte man sie ansprechen. Das gelte vor allem, wenn der Obdachlose allein sei.
Hilfe anbieten: Wenn man den Kontakt hergestellt habe, könne man fragen, ob und wie man helfen könne, zum Beispiel: „Kann ich Ihnen ein heißen Tee oder Kaffee holen?“ oder: „Haben Sie heute schon etwas Warmes gegessen?“ Hilfreich ist es den Maltesern zufolge zudem, sich über Tourzeiten eines Kältebusses oder anderer Angebote vor Ort zu informieren und diese an den oder die Obdachlosen weiterzugeben.
Rettungsdienst rufen: Wenn man Zweifel daran hat, dass die obdachlose Person die Situation selbst richtig einschätzt oder beherrscht, rät der Malteser-Mitarbeiter dazu, den Rettungsdienst unter der 112 zu informieren. Liege ein medizinischer Notfall vor, sollte man ebenfalls den Rettungsdienst rufen. Bis dieser eintrifft, sollte man bei dem Hilfebedürftigen bleiben.
Menschen zuhören: Zwar ist es kalt draußen, dennoch ist eine schöne Geste, sich etwas Zeit zum Zuhören zu nehmen, wenn man merkt, dass jemand reden möchte. Der Mensch auf der Straße spüre so nicht nur die Aufmerksamkeit und das Interesse des Gegenübers, sondern schärfe möglicherweise auch das eigene Bewusstsein für die gefährliche Lage im Frost. Oftmals sei für Betroffene ein interessiertes Gespräch viel mehr wert als eine Geld- oder Sachspende, sagt Müller.
