
Nachdem vergangenen Samstag die ersten Bomben und Cruise Missiles in Teheran und anderen iranischen Städten einschlugen, war drei Tage lang nichts zu hören vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Donald Trump, Gastgeber der kommenden Olympischen Sommerspiele, und Benjamin Netanjahu hatten sechs Tage seit dem Ende der Olympischen Winterspiele in Italien vergehen lassen, bevor sie den Olympischen Frieden brachen.
Vier Jahre später reagiert das IOC im Angesicht des Krieges im Nahen Osten mit einer Kehrtwende. Mit einer Flucht in die eigene Verzwergung. Mit einem Offenbarungseid. Die Realität? „Komplex“, heißt es an Kriegstag vier, am Dienstag. Die Mitteilung verschweigt den Grund ihrer Versendung, von Krieg ist keine Rede, nennt weder Angreifer noch Angegriffene, Gründe, Hintergründe gar. Der Olympische Friede und die ihn begleitende UN-Resolution? Nicht bindend, nettes Beiwerk, zu deren „Durchsetzung“ dem „IOC die Mittel fehlen“. Das sei „vollständig Sache des UN-Systems“.
Kirsty Coventry als Gesicht eines Scheinriesen ohne Rückgrat
Über Jahrzehnte hatten vor allem die IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch und Thomas Bach mit der Betonung auf die angeblich Frieden stiftende Wirkung ihrer Organisation und der Olympischen Spiele, den Friedensnobelpreis stets im Blick, um politischen Einfluss geworben. Auch Bachs Nachfolgerin Kirsty Coventry hatte im November vor der UN-Vollversammlung in New York gesprochen. Die Resolution zum Olympischen Frieden wurde im Konsens verabschiedet, auch von den Regierungen der Vereinigten Staaten, Israels und der Islamischen Republik Iran.
Das IOC verbreitete die übliche PR, Coventry ließ sich mit Annalena Baerbock fotografieren, der Präsidentin der UN-Vollversammlung. Zu Beginn der Winterspiele hatte die deutsche Chefdiplomatin mit Blick auf Russlands Krieg davon gesprochen, ihre Pflicht sei in Zeiten, in denen die „Weltprinzipien so unter Beschuss sind, einem massiven Regelbruch nicht vermeintlich neutral, also schweigend, gegenüberzustehen“: „Sport ist immer auch politisch (…) Das wichtigste internationale Gebot ist das Verbot eines Angriffskriegs gegenüber einem anderen Land.“
Kirsty Coventry aber, die eben noch mit Baerbock posierte, schweigt nun im Angesicht eines solchen Regelbruchs. Das Ziel der Olympischen Bewegung, heißt es in deren Charta, sei der „Beitrag zum Bau einer friedlichen und besseren Welt“, die „Zusammenarbeit mit öffentlichen Organisationen zur Förderung des Friedens“. Die IOC-Präsidentin offenbart, wie sehr es ihr und der von ihr angeführten Organisation an Substanz fehlt, um die Werbeversprechen auch einzulösen. Kirsty Coventry hat das IOC entlarvt: Sie führt den Organisator eines Sportfests, der sich Kriegsherren andient. Sie ist das Gesicht eines Scheinriesen ohne Rückgrat.
