Sie fühle sich aktuell sicher, sagt Manuela Schneider. Mit ruhiger, fester Stimme spricht sie über die vergangenen Tage an Bord und über die ungewissen Aussichten. Denn wie es für sie und die anderen Personen an Bord des Kreuzfahrtschiffs Mein Schiff 4 nun weitergeht, weiß am Montag niemand. Fahren wird das Kreuzfahrtschiff vorerst nicht, die Passagiere sitzen in Abu Dhabi fest. „Gestrandet“ seien sie, sagt Schneider, die als Fotografin an Bord des Schiffs arbeitet.
Als Israel und die Vereinigten Staaten am Samstagfrüh ihre Angriffe gegen Ziele in Iran begannen, erfuhr Schneider davon zunächst nichts. Bis zum Mittag habe es Ausflüge gegeben, sie selbst habe fotografiert und nichts mitbekommen. Doch dann mussten alle Passagiere auf das Schiff zurückkehren. Jeder habe sich im Inneren des Schiffs aufhalten müssen.
Passagiere sitzen in Abu Dhabi fest
Seitdem sitzen die Passagiere des Kreuzfahrtschiffs wie Tausende Urlauber aus der ganzen Welt im Kriegsgebiet fest, können nicht heimfliegen. „Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert. Es ist nicht vorhersehbar, dass wir in den nächsten Tagen mit einer Beendigung der Kampfhandlungen rechnen können“, sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Caren Miosga“. Er ergänzte, es müsse Vorsorge getroffen werden, „dass auf anderem Wege eine Ausreise aus diesen Ländern ermöglicht wird“.
An den beiden Flughäfen von Dubai ist der Flugverkehr bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Flughäfen und nationalen Fluggesellschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten betreuten laut der Generalbehörde für Zivilluftfahrt schon mehr als 20.000 Passagiere, deren Flüge verschoben werden mussten. Laut dem Deutschen Reiseverband sind aktuell rund 30.000 Reisende von deutschen Veranstaltern von der Situation betroffen.

Die Schiffe können die Region nicht verlassen, da sie dafür die Straße von Hormus passieren müssten, die de facto geschlossen ist. So sitzen auch Touristen in den Häfen fest, die eigentlich nicht auf den Flugverkehr angewiesen wären. Neben Mein Schiff 4 in Abu Dhabi sitzt mit Mein Schiff 5 ein weiteres Kreuzfahrtschiff des deutschen Anbieters TUI Cruises in Doha fest. Die Schiffe bieten Platz für jeweils mehr als 2500 Reisende sowie etwa 1000 Crew-Mitglieder.
Auf der Website heißt es von TUI Cruises: „Aufgrund der weiterhin dynamischen Situation in der Region sowie eingeschränkter Flugverbindungen stehen wir in engem Austausch mit den Fluggesellschaften, um eine verlässliche Planung der Rückreisen zu ermöglichen.“ Sobald TUI Cruises belastbare Informationen vorlägen, würden die Gäste unmittelbar informiert. Auf eine Anfrage der F.A.Z. antwortet TUI Cruises, man kommuniziere aktuell nur über die Website. Die Frage, warum bis zuletzt das Risiko eingegangen wurde, in der Region Reisen anzubieten, blieb unbeantwortet.
„Das war wohl die Drohne, die nebenan eingeschlagen ist“
Manuela Schneider berichtet, dass die Passagiere an Bord über die Lautsprecherdurchsagen des Kapitäns informiert werden. So auch am Sonntag, als sie von draußen ein sehr lautes Geräusch gehört habe, das vorbeiflog. „Das war wohl die Drohne, die nebenan eingeschlagen ist.“
Unter Passagieren kursierte am Nachmittag die Nachricht von einem Angriff auf den Hafen von Abu Dhabi. In der Nähe des Schiffs soll es Drohnenangriffe auf den militärischen Bereich des Hafens gegeben haben. Laut der Website „fvw|Traveltalk“ wurden drei Drohnen abgeschossen, eine davon habe ein Lagerhaus im Hafengebiet getroffen. Schneider fotografierte den Rauch vom Deck aus. Sie schätzt die Entfernung auf rund einen Kilometer vom Schiff. Die Passagiere sollten sich in den unteren Etagen versammeln und zunächst von den Fenstern entfernt halten. Ein paar der Passagiere hätten Tränen in den Augen gehabt. Aber niemand sei in Panik geraten, sagt Schneider. Dass sie und die restlichen Mitarbeiter sich sehr ruhig verhalten hätten, habe wahrscheinlich auch die Gäste beruhigt. Als keine Drohnengefahr mehr bestand, gab es Entwarnung.
Die Außenbereiche seien gesperrt, auch die Balkons dürften nicht betreten werden, sagt Schneider über die Lage am Montag. Das Leben spiele sich in den Bars ab, dort gebe es unentgeltliche Cocktails für die Gäste. Schneider wünscht sich, bald weiterfahren zu können – und wie vorgesehen vier Monate bis Anfang Mai an Bord arbeiten zu können. Das Kreuzfahrtschiff habe die Region ohnehin bald verlassen sollen, um weiter in Richtung Süden zu fahren. Eben weil die Situation so unvorhersehbar sei, weiß Schneider nicht, ob sie sich nicht bald wünschen wird, nach Deutschland zurückzukehren. Zu Hause arbeitet sie als Familien- und Hochzeitsfotografin. Die ruhige Zeit im Winter wollte sie nutzen, um etwas von der Welt zu sehen.
