Legion sind die Klagen darüber, dass die jungen Menschen die deutsche Sprache nicht mehr beherrschten, geschweige denn in der Lage seien, kreativ mit ihr umzugehen. An den Universitäten und Journalistenschulen mag das stimmen, nicht aber auf den Dorf-, Wald- und Wiesenfesten quer durchs Land.
Schon seit vielen Jahren ist bei den oft von engagierten jungen Leuten organisierten Events zu beobachten, dass gerade bei der musikalischen Gestaltung Hintersinn und Sprachspiellust Trumpf sind. Beispiel gefällig? „Wie heißt die Mutter von Niki Lauda? – Mama Laudaaa!“ Auf eine so dichte wie ergreifende Punchline muss man erst einmal kommen.
Der Alkohol, der lange im Ruf stand, Dumpfheit zu befördern, scheint ausweislich vieler Songtexte die Produktion selbiger zumindest anzuregen. Man denke an die Variation des Klaus-Lage-Klassikers „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“: „Hast du Saufen mal probiert? Bei mir hat’s immer funktioniert.“
Der Ingeborg-Bachmann-Literaturwettbewerb kann einpacken
So richtig schöpferisch wird es aber erst, wenn noch der Fußball dazu kommt. Besonders hervorzuheben sind hier Hobbyfußballturniere. Schon vor Jahren ertappte man sich beim Gedanken, dass angesichts von Teamnamen wie „Juventus Urin“ oder „Hintern Mailand“ Klagenfurt, also der dort jährlich stattfindende Ingeborg-Bachmann-Literaturwettbewerb, eigentlich einpacken könne.
Das ist aber alles nichts gegen das, was jüngst in, wo sonst: Bayern auf die Beine gestellt und sogar mit einem Besuch der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, natürlich CSU, geadelt wurde. In Schönau am Königssee gab es nämlich ein „Gaudi-Fußballturnier“ mit 15 Mannschaften, von denen jede für sich als Beweis dafür taugt, dass sich Wortwitz, Selbstironie und Mitmenschlichkeit (ein Teil des Gewinns soll an „Berchtesgaden Hilft“ gehen) keineswegs ausschließen.
Den ersten Platz machte „Dynamo Dicht“, gefolgt vom „FC Saufhampton“. Knapp am Stockerl vorbei rauschte mit Platz vier „Vollrausch United“, das damit aber immer noch drei Plätze besser abschnitt als „Eintracht Goaßmaß“. Die achtplatzierten „Ewigrauschigen“ konnten sich damit trösten, dass Kaniber, die auch die Siegerehrung vornahm, sich mit ihrer Fahne (im Sinne von Flagge) ablichten ließ. Der „Deutsche Vollsuff-Bund“ auf Platz neun konnte das ebenso wenig von sich behaupten wie „Pfostenschuss 69“ auf Platz zehn oder der „FC Marlboro“ auf Platz zwölf.
Man könnte jetzt anfangen, moralische Textexegese zu betreiben. Warum 69? Warum immer nur Saufen? Aber wäre das noch die Heimat des „leben und leben lassen“? Völlig zurecht schrieb Kaniber auf Instagram: „Eltern, Pädagogen und Gesundheitsapostel“ könnten angesichts der Teamnamen, die „einen zweiten Blick“ verdienten, „kurz die Stirn runzeln“. Für alle anderen gelte, sie „dürfen herzlich lachen“ – Zwinkersmiley. Des samma mia! Prost Mahlzeit!
