
Nie war der Wahlzettel für die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt größer. Auch noch größere Städte können da nicht mithalten. Print wirkt, könnte man sagen. Es wird eng werden in der Wahlkabine. Dabei ist es gut, eine große Auswahl zu haben. Entscheidend ist, dass das Wahlrecht verständlich bleibt. Der Bürger muss verstehen, was seine Stimme für Folgen hat.
Doch das ist auch im Bund und auf Landesebene nicht immer einfach zu erkennen. Der Wunsch nach möglichst breit gefächerter Gerechtigkeit und danach, dass möglichst wenige Stimmen unter den Tisch fallen – jedenfalls der eigenen Klientel –, hat nicht zu mehr Klarheit geführt. Die oft genutzte Möglichkeit der Briefwahl hat zudem zur Folge, dass der Wahlakt sich zunehmend von der ursprünglichen Vorstellung entfernt hat: Alle sollen eigentlich zur selben Zeit ihre Stimme abgeben, mit dem Wissen jenes Tages. Der Urnengang als feierlicher Zentralakt der Demokratie. Nur so ist im Grunde auch das Wahlgeheimnis, wenn man so will, das Persönliche der Wahl einigermaßen sichergestellt.
Wie vor hundert Jahren
Man kann noch nicht durch Klicken oder Wischen wählen – was aber ausnahmsweise kein Manko ist. Ausgezählt wird noch von Hand. Das gilt auch für den Wahlkampf, der trotz der Bedeutung von KI und Social Media jedenfalls zu einem guten Teil von allen Parteien immer noch auf der Straße, an den Haustüren und mit den Mitteln von vor hundert Jahren geführt wird: Die Kandidaten sind auf Litfaßsäulen und Plakaten zu sehen.
Der Bürger hat heute mehr Informationsmöglichkeiten und Auswahl als früher. Mehr zu sagen hat er aber in der Wahl nicht. Seine Stimme zählt. Aber was daraus politisch wird, kann er nicht genau wissen. Volkes Stimme gibt es nicht. Die Wahl bleibt eine Zumutung. Vielleicht ganz gut, dass Frankfurt nun darauf verzichtet hat, vorab „Musterwahlzettel“ zum Üben zu versenden.
