Eine der vornehmsten Aufgaben von Werbeprofis ist es, keine falschen Assoziationen zu wecken. Das gelingt nicht immer. Wie schlecht müssen sich die Strategen, die einst den Namen VW Vento ersannen, gefühlt haben, als ihnen dämmerte, dass „Vento“ im umgangssprachlichen Italienisch „Furz“ heißt? Oder die Wortschöpfer des Audi e-tron, als ihnen gesteckt wurde, dass „Étron“ das französische Wort für „Kothaufen“ ist?
In München plakatiert der Oberbürgermeister gerade „München. Reiter. Passt.“ Das kann man natürlich so lesen, dass da zwei einfach zusammenpassen. Aber auch im Sinne von „Passt schon“, was so viel bedeutet wie: Ist okay, aber halt auch nicht mega. Soll das Dieter Reiters Botschaft sein?

In der Landeshauptstadt München hing zuletzt auch noch ein anderes Plakat, eines der Linken, mit der Aufschrift: „Ja! Heidi kommt“. Derlei Plakate sind gerade in der sogenannten heißen Wahlkampfphase gängig, wenn sich Parteiprominenz wie etwa die Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag Heidi Reichinnek auf den Plätzen und in den Hallen der Republik die Ehre gibt, vulgo: kommt, im Sinne von – dorthin.
Einen unheilvollen Kontext liefert etwa „Homo faber“
Das Verb „kommen“ ist ein Chamäleon. Es kann Vorfreude verströmen wie im Advent, wenn auf das Kommen des Herrn gewartet wird. Besonders in Kombination mit einem Personalpronomen kann es aber auch etwas Angespanntes, Dräuendes transportieren, etwa wenn Schüler im Klassenzimmer angesichts des herannahenden Lehrers zischen: „Er kommt!“
Auf ein Erlebnis im Unterricht geht womöglich auch unsere Erkenntnis zurück, dass man „kommen“ noch einmal ganz anders interpretieren kann, genauer gesagt: auf die Lektüre von Max Frischs „Homo faber“. Der letzte Satz im Roman lautet: „Sie kommen.“ Auch in diesem Fall ist der Kontext ein unheilvoller. Die, die da kommen, sind die Operateure, die gleich den wohl an Magenkrebs erkrankten Protagonisten aufschneiden werden. Das hielt einen Mitschüler nicht davon ab, erst zu kichern, und dann zu rufen: Oh, ja, sie kommen!
Nun ist der Sender nicht in jedem Fall dafür verantwortlich, was beim Empfänger ankommt. Wer bei der Carsharing-Firma MILES hätte zum Beispiel ahnen können, dass potentielle Kunden in die Aufschrift „MILES“ auf den Autos das Wort „MILFS“ erkennen und den Schriftzug durch minimalinvasiven Vandalismus entsprechend verändern?
So ähnlich mag es auch beim Kommen sein, wenn es auf Plakaten heißt „Heidi kommt“ oder, noch zwingender, „Söder kommt“. Kann man das missverstehen? Soll man es sogar missverstehen? Nicht auszuschließen. Schließlich pflegen die genannten Politiker nicht zum Präludium zu kommen, sondern zum Höhepunkt – des Wahlkampfs, versteht sich.
