Wenn’s läuft, dann läuft’s. Das wissen sie dieser Tage bei den Kölner Haien nur zu gut. Egal, was gerade passiert, irgendwie finden sie immer einen Weg, das Eis als Sieger zu verlassen.
Wenn ihre beiden besten Mittelstürmer Gregor MacLeod und Nate Schnarr mehrere Spiele fehlen? Dann drehen einfach Maximilian Kammerer und Dominik Bokk auf und erzielen Tor um Tor. Wenn wie am Sonntag der Sonderzug der Haie-Fans auf dem Weg nach Dresden wegen einer Streckensperrung umkehren muss? Dann gewinnt ihr Team auch ohne lautstarke Unterstützung locker und leicht 8:1.
Und wenn wie am Dienstagabend in Nürnberg Verteidiger Oliwer Kaski den Puck weit am Tor vorbeischießt? Dann fliegt er halt gegen den Schlittschuh eines Nürnbergers, nimmt von dort einen ganz anderen Weg und landet im Tor. Danach stand ein 3:1 für Köln auf dem Videowürfel – die Vorentscheidung beim 4:2-Auswärtserfolg.

Verteidiger Kaski sprach danach bei Magentasport von einem Glückstor. Aber mit Glück hat das wenig zu tun, was gerade bei den Kölnern passiert. Auch Kaski fand dann noch eine andere Begründung: „Wenn du gewinnst, bekommst du Selbstvertrauen und findest Wege zu gewinnen.“ Das tun die Kölner in der Tat. Der Sieg in Nürnberg war bereits ihr zehnter in Serie. Dass die Haie komplett ohne Punkt in die Kabine mussten, ist sogar schon 20 Spiele her. Pünktlich zu Weihnachten übernahmen sie die Tabellenführung der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Mittlerweile haben sie schon neun Punkte zwischen sich und die Konkurrenz gebracht.
Die Begeisterung am Rhein ist entsprechend groß. Die Fans träumen von der ersten Meisterschaft seit fast einem Vierteljahrhundert und machen Deutschlands größte Halle fast jedes Spiel voll. Nun brauchte es dafür keine Siegesserie, schon zuletzt gab es zwei europäische Zuschauerrekorde hintereinander. Auch diese Saison könnte es wieder einen geben, obwohl sich die rheinischen Rivalen aus Düsseldorf und Krefeld in die zweite Liga verabschiedet haben. Aber nun kommen selbst gegen Bremerhaven, Schwenningen oder Straubing 18.600 Fans und schunkeln zu kölschem Liedgut. Und jetzt passt auch die Leistung auf dem Eis dazu.
Finnisch-kompakte Defensive mit viel Druck auf das gegnerische Tor
Bergauf ging es bereits vergangene Saison, mit dem finnischen Startrainer Kari Jalonen erreichten die Kölner erstmals seit 2014 das DEL-Finale. Das war damals noch eher überraschend. Und dann waren die Kölner den Eisbären Berlin hoffnungslos unterlegen, verloren die letzten drei Spiele der Finalserie jeweils 0:7. Danach verabschiedeten sich auch noch mehrere wichtige Spieler: Nummer-eins-Torwart Július Hudáček, Topscorer Alexandre Grenier und Toptorjäger Justin Schütz. Zudem kündigte Jalonen seinen Abschied für den Sommer 2026 an.
Stören konnte das aber niemanden. Jalonens Stil – finnisch-kompakte Defensive, aber auch viel Druck auf das gegnerische Tor – funktioniert sogar noch besser als im ersten Jahr. Was auch daran liegt, dass die Haie mittlerweile vier Finnen im Kader haben, darunter Topverteidiger Kaski und Janne Juvonen, der mit mehr als 93 Prozent abgewehrten Schüssen gerade der beste Torwart der ganzen Liga ist. Hinzu kam der Däne Patrick Russell, der bereits 22 Tore erzielt hat. Er und der ebenfalls neue Kanadier Nate Schnarr (32 Torbeteiligungen in 30 Einsätzen) haben die Abgänge von Grenier und Schütz mehr als kompensiert. „Wir haben uns noch mal verstärkt“, sagt Kapitän Moritz Müller, für den die aktuelle Saison gerade wie ein Traum sein muss.
2003 kam Müller aus der Haie-Jugend zu den Profis, die damals noch jedes Jahr zu den Titelkandidaten gehörten. Es ging dann auch noch ein paarmal ins Finale, aber die Müller-Jahre kannten auch richtige Krisen im Tabellenkeller. Als es 2024 wieder nicht mal fürs Viertelfinale reichte, dachte der Verteidiger ans Aufhören. Ein Jahr noch, dann könnte es das gewesen sein, sagte er. Aber dann kam Jalonen, es ging ins Finale, Müller hängte noch eine Saison dran. In der stehen die Haie nun sogar ganz oben, Müller selbst, mittlerweile 39 Jahre alt, wurde am Mittwoch für den deutschen Olympia-Kader nominiert.
Noch geht es für ihn aber erst mal um die Haie. „Es macht Spaß gerade, wie es läuft. Man ist natürlich gerne Erster, das ist schon eine Bestätigung der Arbeit“, sagt der Kapitän, der allerdings schon mal vorbaut: „Wir werden auch mal wieder ein Spiel verlieren, das kann ich versprechen.“ Aktuell sieht es aber weniger danach aus. Wenn’s läuft, dann läuft’s eben.
