
Der Kölner Dom zählt zu den Attraktionen in Deutschland mit den meisten Besuchern. Jahraus, jahrein zieht die gotische Kathedrale einen nie abebbenden Strom von Touristen aus aller Welt an. Nicht wenige von ihnen sind erstaunt darüber, dass die Besichtigung des Kirchenraums nichts kostet.
Nichts kostete, muss man bald sagen. Denn am Donnerstag gab das für die Kathedrale verantwortliche Domkapitel in einer Pressekonferenz bekannt, dass von der zweiten Jahreshälfte an erstmals seit Fertigstellung der Hohen Domkirche St. Petrus im Jahr 1880 für deren Besichtigung Eintritt erhoben werden wird.
Bisher hatte das Domkapitel das immer abgelehnt. Die Besichtigungsgebühr, deren Höhe nach Angaben von Domprobst Guido Assmann noch nicht festgelegt wurde, soll ausschließlich von Touristen erhoben werden – die 99 Prozent der Besucher ausmachen. Für Gottesdienstteilnehmer sowie Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins bleibt der Zugang kostenfrei. Ebenso gratis bleibt der Zutritt zu den Opferlichtern und zum stillen Gebet in bestimmten Bereichen. Bisher schon Eintritt verlangt wird für die Schatzkammer und den Aufstieg zur Aussichtsplattform.
Der Dom ist für alle Kölner der einzig wahre Sehnsuchtsort
Als wie einschneidend die Nachricht, dass der Dom künftig Eintritt kostet, in Köln empfunden wird, macht der Umstand deutlich, dass die örtlichen Medien noch während der Pressekonferenz Eilmeldungen verbreiteten. Denn der Dom ist für alle Kölner – auch die im religiösen Sinn ganz und gar unmusikalischen – der einzig wahre Sehnsuchtsort. Gewiss deshalb teilte das Domkapitel am Donnerstag mit, in den kommenden Wochen nicht nur über Preisgefüge nachdenken zu wollen, sondern auch über Sonderkonditionen und mögliche „Aktionstage“ mit freiem Eintritt für „bestimmte Besucherinnen und Besucher“ nachdenken zu wollen.
Für das Domkapitel steht aber fest, dass auf Dom-Eintritt künftig nicht mehr pauschal verzichtet werden kann. „Die Finanzierung dieses lebendigen Glaubens- und Kulturorts kostet Geld – und durch gestiegene Personal- und Sachkosten hat sich der Unterhalt des Doms in den vergangenen Jahren stark erhöht“, hieß es in einer Pressemitteilung. Es gehe darum, die Strahlkraft der Kathedrale auch für künftige Generationen zu erhalten und ihren laufenden Betrieb dauerhaft zu sichern.
Während einer Klausurtagung Anfang der Woche befasste sich das Domkapitel nach den Worten Assmanns mit der Frage, wie die Kathedrale ökonomisch dasteht. Die Bilanz fiel ernüchternd aus. Schon seit 2019 sei Jahr für Jahr ein Minus entstanden, das man bisher dank Rücklagen habe auffangen können. Nun jedoch sei man „in die Situation gekommen, dass die Reserven des Kölner Doms auf absehbare Zeit aufgebraucht sind“. Mit dem Eintritt gehe man einen Schritt, „der an vielen anderen Kirchen und Kathedralen ähnlicher Prominenz längst üblich ist“.
