
Fast zwei Wochen nach Beginn des Irankriegs greift der US-Verbündete Australien erstmals verstärkt in das Geschehen ein. Wie die Regierung von Ministerpräsident Anthony Albanese am Dienstag mitteilte, wird das Land auf Anfrage aus der Region ein Aufklärungsflugzeug des Typs E-7A Wedgetail an den Golf schicken.
Außerdem wird Australien die Vereinigten Arabischen Emirate mit Luft-Luft-Lenkflugkörpern mittlerer Reichweite beliefern. Den Angaben der Regierung zufolge ergreife das Land die „defensiven Maßnahmen“, „um Australier und andere Zivilisten zu schützen und zu verteidigen“. Der Regierung zufolge leben etwa 115.000 Australier im Nahen Osten, davon etwa 24.000 in den Emiraten.
Darüber hinaus teilte die Regierung mit, dass sie fünf Fußballspielerinnen der iranischen Frauennationalmannschaft am Dienstag „humanitäre Visa“ erteilt habe. Die Spielerinnen hatten dort am Asien Cup teilgenommen. Nachdem sie bei ihrem ersten Spiel des Turniers beim Erklingen ihrer Nationalhymne nicht mitgesungen hatten, wurde dies in Iran als „Verrat“ bezeichnet.
Direkte militärische Beteiligung ausgeschlossen
Unter anderem hatte Donald Trump die australische Regierung darauf gemahnt, ihnen Asyl zu gewähren, da sie sonst in ihrer Heimat „höchstwahrscheinlich getötet werden“. Die fünf Spielerinnen sollen sich heimlich aus dem Hotel und in Obhut der Polizei begeben haben. Albanese erklärte Australiens Bereitschaft, „auch anderen Frauen aus dem Team Hilfe anzubieten“.
Albanese zufolge hatte Trump ihn um zwei Uhr nachts australischer Zeit am Dienstag angerufen. Australien gehört seit vielen Jahren zu den treusten Verbündeten der USA und hat von den Weltkriegen über Vietnam bis Irak und Afghanistan an den meisten internationalen Einsätzen der US-Streitkräfte mit eigenen Soldaten teilgenommen.
Nur wenige Stunden nach dem ersten Angriff auf Iran am 28. Februar hatte Australien als eines der ersten Länder erklärt, dass es die Aktion der USA und Israels unterstützte. Allerdings hatte Canberra eine direkte militärische Beteiligung ausgeschlossen.
Grüne: Könnte Anfang eines langwierigen Einsatzes sein
Verteidigungsminister Richard Marles betonte daher am Dienstag, dass es sich bei der geplanten Unterstützung um „defensive Maßnahmen“ handele. Australien begründet seine Unterstützung darüber hinaus mit der Natur des iranischen Regimes, das Canberra zufolge im Jahr 2024 für zwei antisemitische Anschläge in Australien verantwortlich gewesen sein soll, darunter auf eine Synagoge in Melbourne.
Canberra hatte daraufhin den iranischen Botschafter zur unerwünschten Person und die iranische Revolutionsgarde zur Terrororganisation erklärt. „Iran ist ein Staat, der hier bereits Terrorismus betrieben hat und weltweit Terrorismus unterstützt“, sagte Albanese bei der Pressekonferenz am Dienstag. Zudem sollte Iran ihm zufolge daran gehindert werden, Atomwaffen zu erwerben.
Kritik an der Unterstützung kommt insbesondere vonseiten der australischen Grünen, deren außenpolitischer Sprecher David Shoebridge Australien vorwarf, „sich dem Druck der Vereinigten Staaten zu beugen“. Er warnte, dass die Entsendung des Flugzeugs und die Lieferung der Raketen der Anfang eines langwierigen Einsatzes sein könnte.
Mit dem Aufklärungsflugzeug will Australien den Berichten zufolge auch 85 Soldaten als Besatzung mit an den Golf schicken. Das Flugzeug wird für zunächst vier Wochen „zur Unterstützung der kollektiven Selbstverteidigung der Golfstaaten“ eingesetzt. In ähnlicher Weise hatte Australien auch schon auch ein Aufklärungsflugzeug des gleichen Typs nach Polen zur Unterstützung der Ukraine geschickt.
