
Kann man einen Krieg an der Tankstelle verlieren? Es ist bemerkenswert, wie sehr sich Trump von den Entwicklungen an den Öl- und Gasmärkten beeinflussen lässt. Erst ließ er Öl-Sanktionen gegen Russland lockern, dann sogar die gegen den Kriegsgegner Iran. Jetzt verschiebt er die angedrohten Schläge auf iranische Energieanlagen um fünf Tage.
Selbst dieser Präsident, der sich stets so siegesgewiss gibt, hat Respekt vor dem amerikanischen Wähler. Für die Zwischenwahlen im November korrigierte er schon seine Abschiebepolitik, nun richtet er seine Taktik im Irankrieg offenbar immer mehr an den Benzinpreisen aus. Afghanistan und der Irak stecken den Amerikanern noch in den Knochen, wer wüsste das besser als der einstige Isolationist Trump?
Wehrlos ist das Regime noch nicht
Worauf das hinauslaufen soll, ist womöglich nicht einmal dem Präsidenten klar. Aber nach Regimewechsel sieht es im Augenblick nicht aus. Die dezimierte Führung in Teheran fühlte sich stark genug, Gespräche mit Trump zu dementieren. Die Schäden, die Amerika und Israel dem iranischen Atom- und Raketenprogramm zugefügt haben, dürften beträchtlich sein, aber wehrlos ist das Regime noch nicht, wie gerade der Abschuss einer weitreichenden Rakete in den Indischen Ozean gezeigt hat.
Eine „vollständige und endgültige Beilegung unserer Feindseligkeiten“, wie Trump sie nun in kurzer Zeit anstrebt, könnte politisch, wenn auch nicht militärisch eine Rückkehr zum regionalen Status quo ante bedeuten.
