
Im Falle Venezuelas dauerte es nur wenige Stunden, bis Donald Trump nach der Festnahme Nicolas Maduros durch amerikanische Spezialkräfte auf das Öl des Landes zu sprechen kam. Man werde dort „in gewaltigen Mengen Reichtum aus dem Boden holen“, zum Wohle Venezuelas und der Vereinigten Staaten, sagte der Präsident Anfang Januar. Im Falle Teherans ließ Trump sich einen Monat Zeit, bevor er sich zu seiner konkreten Vorstellung für die Zukunft des iranischen Öls einließ.
In einem am Sonntagabend veröffentlichten Interview mit der „Financial Times“ sagte er, „um ehrlich zu sein“, wolle er sich „am liebsten“ das Öl in Iran nehmen. Einige „dumme Leute“ im eigenen Land hielten das jedoch für keine gute Idee. Trump fuhr fort, vielleicht werde man die Insel Kharg einnehmen, die Iran für rund neunzig Prozent seiner Ölexporte nutzt, „vielleicht nicht“. Es gebe viele Optionen.
Trumps Interesse am Öl ist älter als seine politische Karriere. 1987 – damals spielte er mit dem Gedanken, in den republikanischen Vorwahlen gegen George H. W. Bush anzutreten – veröffentlichte er für knapp 95.000 Dollar ganzseitige Anzeigen in der „New York Times“, der „Washington Post“ und dem „Boston Globe“, in denen er die amerikanische Außenpolitik kritisierte. Amerika müsse aufhören, für die Verteidigung anderer Länder zu bezahlen, hieß es darin. Man verteidige den Persischen Golf, der nur eine marginale Bedeutung für die Vereinigten Staaten und ihre Ölversorgung habe, von dem Japan und andere Länder jedoch maßgeblich abhingen.
Schon in den Achtzigern sprach Trump von der Kharg-Insel
Trump forderte Wiedergutmachung: Warum bezahlten diese Länder Washington nicht für die „Menschenleben und Milliarden Dollar“, die man für deren Verteidigung opfere? Damals schrieb er das dem fehlenden Rückgrat der politischen Führung zu. Ein Jahr später dann sagte er in einem Interview mit dem „Guardian“, an das ihn sein Haussender Fox News jüngst erinnerte, als Präsident würde er hart gegen Iran vorgehen, Kharg „dem Erdboden gleichmachen“ und einnehmen.
Sein Kernargument, Amerikas Dienste müssten entschädigt werden, wurde über die Jahre zur konkreteren Forderungen nach Öl. Zum Ende des Irakkriegs 2011 sagte Trump, ginge es nach ihm, würde man den Irak nicht verlassen „und Iran das Öl nehmen lassen“. Er verwies auf das Prinzip, dem Sieger gehöre die Beute – ein Spruch, den er in diesem Zusammenhang immer wieder verwenden sollte.
Als Diebstahl wollte er das nicht verstanden wissen. Vielmehr nehme man sich damit, was einem ohnehin als Wiedergutmachung zustehe. Auch in Libyen, sagte Trump damals im Zuge der Militärintervention während des Sturzes des Machthabers Muammar al-Gaddafi, solle man sich darauf konzentrieren, das Öl „zu nehmen“. Das sei ohnehin der einzige Grund, warum er sich für dieses Land interessiere.
Im Präsidentschaftswahlkampf 2015 machte Trump Öl gleich zweifach zum Thema. „Drill, baby, drill“, „bohre, Baby, bohre“, wurde zum zentralen Schlachtruf seiner Energiepolitik; Trump forderte Magnaten der Ölindustrie dazu auf, eine Milliarde Dollar für ihn zu sammeln – weil seine Regierung ihnen ein „großartiges Geschäft“ bescheren werde. Als Präsident beendete er die Förderung erneuerbarer Energien, trieb den Ausbau von Raffinerien und den Export von Flüssiggas voran. Während seiner zweiten Amtseinführung im vergangenen Jahr sagte Trump, Amerika werde wieder eine reiche Nation werden – dabei helfe das „flüssige Gold unter unseren Füßen“.
Auch am Öl anderer Länder ist Trump interessiert
Auf der anderen Seite blieb seine juristisch fragwürdige Besessenheit damit, auf das Öl anderer Länder zuzugreifen. Es dürfe nicht sein, dass man im Irak alles gegeben, aber nichts zurückbekommen habe, wetterte er 2016 auf Wahlkampfbühnen. So wäre auch der „Islamische Staat“ (IS) nicht in der Lage gewesen, das Öl zu erbeuten, hätten die Vereinigten Staaten es sich geholt, lautete seine Argumentation. Über die strategischen Herausforderungen eines solchen Schritts ließ Trump sich nie im Detail aus: eine zeitlich unbegrenzte Besatzung, umgeben von feindlichen Gruppen? Man werde eine „bestimmte Gruppe zurücklassen“, sagte Trump damals, und dürfte damit amerikanische Soldaten gemeint haben.
2019 begründete Trump als Präsident eine Kehrtwende in seiner Außenpolitik mit dem Zugriff auf syrisches Öl. Nachdem er eigentlich angekündigt hatte, fast alle der tausend Soldaten in Syrien abzuziehen, widerrief er seine Entscheidung. Das Verteidigungsministerium wies Berichte zurück, wonach das wegen des Öls geschehen sei: Die Mission gelte der Zerschlagung des IS. Man solle „vorsichtig sein“ mit anderen Aussagen. Trump wiederum erklärte den Einsatz mit dem Schutz syrischer Ölfelder. Man habe „nur wegen des Öls“ Truppen im Land belassen, sagte er damals. „Wir behalten das Öl, wir haben das Öl, das Öl ist gesichert.“
Umso bemerkenswerter war Trumps verhältnismäßig langes Schweigen zum iranischen Öl im aktuellen Krieg. Im Gespräch mit der „Financial Times“ verglich er das mögliche Vorgehen in Iran nun mit den Maßnahmen in Venezuela seit Anfang des Jahres. Dort wollen die Vereinigten Staaten die Ölindustrie „auf unbestimmte Zeit“ kontrollieren. Zur von Donald Trump so beharrlich geforderten Erleichterung für Amerikaner für ihre Dienste in der Welt trug seine Forderung am Montag jedoch zunächst nicht bei. Nach seinen Bemerkungen stiegen die Ölpreise auf mehr als 116 Dollar.
