
Doch das wird in der Bevölkerung nicht verfangen, nachdem wohl Hunderte Demonstranten getötet oder schwer verletzt worden sind. Ein amerikanischer Militärschlag führte jetzt genauso wenig zum Schulterschluss der Unterjochten mit ihren Herrschern wie im Juni, als Trump iranische Atomanlagen bombardieren ließ.
Was ist der Preis – und für welchen Ertrag?
Weniger klar ist, ob sich Iran abermals mit einer eher kosmetischen Antwort begnügen würde oder ob Israel sowie amerikanische Stützpunkte in der Region mit heftigen Gegenangriffen rechnen müssten. Sorgen um den möglichen Preis für ein Eingreifen wiegen umso schwerer, als der Ertrag viel weniger kalkulierbar ist als bei den Luftangriffen auf Atomanlagen. Auch in Iran lässt sich ein Regimewechsel, gar der Aufbau einer amerikafreundlichen Regierung, nicht über Nacht herbei bombardieren.
Trump mag sich ein bescheideneres Ziel setzen, nämlich die Botschaft zu bekräftigen, die seine Gehilfen schon seit dem Venezuela-Coup auf allen Kanälen verbreiten: dass mit ihm nicht zu scherzen sei.
Das leitet zwar auch noch Wasser auf die Mühlen der Hardcore-Isolationisten in Trumps MAGA-Bewegung, die den Präsidenten immer unwirscher an seine eigene Parole „Amerika zuerst“ erinnern. Doch auch da muss Trump nicht zu sehr bangen: Iran ist in der amerikanischen Politik nicht irgendein fernes Land.
Das Teheraner Regime steht in der Nachfolge der Geiselnehmer von 1979, es ist ein bis heute schmerzender Stachel im amerikanischen Fleisch. Trump sagt, seine Macht als Gebieter über die stärksten Streitkräfte der Welt sei einzig durch seine persönliche Moral begrenzt. Von welcher Seite der Applaus kommt, ist ihm egal.
