
Natürlich möchte man derzeit nicht in der Haut der deutschen Urlauber stecken, die seit Beginn des Irankriegs in der Golfregion festsitzen. Es ist aber Unsinn, für diese Situation nun die Bundesregierung, allen voran den deutschen Außenminister Johann Wadephul verantwortlich zu machen.
Wadephul mag kein großer (Krisen-) Kommunikator sein; das hat sich ja auch schon nach seinem Syrienaufenthalt offenbart. Dennoch hatte er recht, als er den deutschen Reisenden in der Region zumindest eine Mitverantwortung für ihre Lage bescheinigte, da es nicht ganz unbekannt gewesen sei, dass es gefährlich werden könnte.
Der gesunde Menschenverstand
Nicht ganz unbekannt ist dabei noch eine höfliche Formulierung. Seit etlichen Wochen hatte sich ein amerikanisch-israelischer Angriff auf Iran abgezeichnet, und Iran hatte für diesen Fall einen regionalen Krieg angekündigt. Wie weltfremd, ja blauäugig muss man sein, dass man trotz allem an seiner Pauschalreise in diese Region festhält?
Dass ein Krieg gewaltige Auswirkungen auf Flug- und Schiffsreisen haben würde, dieser Umstand hätte eigentlich jedem klar sein müssen, und zwar auch ohne explizite Reisewarnungen des Auswärtigen Amts. Hier sollte der gesunde Menschenverstand ausreichen, vor allem wenn man bedenkt, wie übel vielen Deutschen ansonsten jedwede Bevormundung durch den Staat aufstößt.
Das bedeutet nicht, dass man die Urlauber nun sich selbst überlassen sollte. Das hatte die Bundesregierung gar nicht vor, auch nicht Wadephul. Es ist aber verständlich, dass eine solche Evakuierung Vorbereitung und eine gewisse Zeit braucht, so wie es auch ganz selbstverständlich sein sollte, dass vulnerable Personen wie Kinder, Kranke oder Schwangere dabei Vorrang haben.
Und es ist nun einmal so: Wer meint, in einer Krisenregion Urlaub machen zu müssen, und sich dabei vom Dubailuxus blenden lässt, der muss dann auch mit dem Risiko leben, dass ihn die Realität einholt. Zu wünschen ist den festsitzenden Deutschen, dass sie keinen Schaden nehmen.
