„Wir schaffen das für Sie. Vertrauen Sie uns“, sagt der Kapitän in seiner Durchsage. Das versuchen wir. Doch meine Frau und ich wollen einfach nur nach Hause. Nach einer herrlichen Kreuzfahrt mit der Mein Schiff 5 saßen wir bereits im Flieger zurück, als die Angriffe Israels und der USA auf Iran begannen. Das Flugzeug drehte über dem Persischen Golf um, wir sitzen seitdem im Hafen von Doha fest. Unsere Nerven liegen in der zweiten Woche blank.
Kommt tagsüber eine Durchsage, ist es in den Restaurants mucksmäuschenstill. Der Kapitän kündigt an, dass wir auf Post warten dürfen. Wer von unserem Reiseveranstalter TUI für einen Rückflug ausgewählt wird, bekommt persönlich einen Brief auf die Kabine gebracht – so soll wohl kein Unmut aufkommen und niemand die Briefe wegnehmen. Tagelang warten wir vergeblich.
Die Ansagen des Kapitäns werden eindringlicher

Währenddessen wird der iranische Beschuss massiver. So fühlt es sich zumindest an. Nachts knallt und rattert es am Himmel, Explosionen und Warnmeldungen reißen uns aus dem Schlaf. Luftalarm. Ich zähle mindestens zwei Warnungen pro Tag. Abends sind wir ausgelaugt und können doch kaum einschlafen.
Auch die Ansagen des Kapitäns werden eindringlicher. Offenbar hat ein Passagier seine Verzweiflung an der Crew ausgelassen und an der Rezeption Möbel kaputt gemacht. Der stets so bedachte und ruhige Kapitän droht mit der örtlichen Polizei, sollte so etwas noch einmal vorkommen.
Immer mehr Passagiere reisen ab. Auf den Fluren herrscht eine fast gespenstische Atmosphäre, so leer ist es. Auch unsere Freunde fliegen nach Hause. Wir hoffen und bangen weiter. Meine Frau bricht auf der Kabine weinend zusammen. Einmal beobachten wir, wie ein Crewmitglied in Tränen ausbricht und von Passagieren getröstet wird. Immer noch keine Post für uns. Die Behörden Qatars veranstalten im Terminal einen Markt für uns Touristen. Mit Datteln und Tee lenken sie uns ab.
Um 22.14 Uhr kommt die Nachricht
Zugleich hören wir von Fliegern, die nicht voll besetzt geflogen sein sollen. Es macht uns wütend, wir können es nicht verstehen. Auch von der deutschen Vertretung hören wir nichts außer den immer gleichen Floskeln. Als in einer Mail an das dänische Außenministerium verwiesen wird, an das man sich wegen eines Busplatzes für eine individuelle Ausreise über Riad wenden könne, fühlen wir uns völlig alleingelassen.
Am Dienstagabend höre ich ein Pochen zwei, drei Türen weiter. Die Crewmitglieder klopfen nur sehr dezent, weil weiterhin Gäste an Bord zurückbleiben. Um 22.14 Uhr kommt die Nachricht: Am nächsten Tag sollen wir ab Doha fliegen.
Im Bus sitzen wir so früh, dass wir den Kapitän verpassen, der sich bei den nachfolgenden Gästen persönlich verabschiedet. Dann ist es so weit: endlich im Flugzeug. Seit Mittwoch sind wir wieder in Deutschland, elf Tage später als geplant. Den Rest der Woche lassen wir uns mit dem Einverständnis unserer Arbeitgeber krankschreiben. Von diesem „Urlaub“ müssen wir uns erst einmal erholen.
Der Passagier hat uns gebeten, seinen Namen nicht zu nennen.
