Sportlerinnen müssen sich dem Internationalen Olympischen
Komitee zufolge künftig Geschlechtertests unterziehen, um an internationalen
Frauen-Wettbewerben teilnehmen zu dürfen. Trans Frauen werde ein Start in der
Frauenkategorie künftig untersagt, teilte das IOC mit. Die neue Richtlinie ist das Ergebnis einer von
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry eingesetzten Arbeitsgruppe zum “Schutz der
Frauen-Kategorie”.
Das Komitee stellte die Maßnahmen vor, die die Frauenkategorien
im Olympischen Sport “schützen” sollen. Demnach dürften nur noch “biologische
Frauen” in der entsprechenden Kategorie teilnehmen, was durch einen einmaligen SRY-Gentest
ermittelt werde. Die Richtlinie soll ab den Olympischen Spielen 2028 gelten.
Sie gelte jedoch nicht rückwirkend und finde keine Anwendung im Breiten- oder
Freizeitsport, teilte das IOC mit.
Das IOC ist der Ansicht, dass das “Vorhandensein des SRY
Gens lebenslang unverändert bleibt” und einen zuverlässigen Nachweis darstelle,
ob ein Athlet eine “männliche Geschlechtsentwicklung” durchlaufen sei. Weiter sei
die Untersuchung auf das SRY-Gen mittels Speichel, Wangenabstrich oder
Blutprobe im Vergleich zu anderen möglichen Methoden nicht invasiv, teilte
das IOC mit.
Debatte um Imane Khelif und Lin Yu-ting
Auslöser für die verschärfte Politik der olympischen
Dachorganisation war die Debatte um Wettbewerbe im Boxen der Frauen bei den
Sommerspielen in Paris 2024. Im Zentrum standen die Olympiasiegerinnen Imane
Khelif und Lin Yu-ting. Beide waren zuvor vom Weltverband Iba von der WM
ausgeschlossen worden, da sie auf der Basis eines nicht näher erklärten
Geschlechtertests angeblich die Teilnahme-Kriterien nicht erfüllt hatten. Bei
Olympia durften beide jedoch starten.
Der damalige IOC-Präsident Thomas Bach
sagte unter Verweis auf die damals geltenden Regeln: “Es bestand nie ein
Zweifel daran, dass sie Frauen sind.” Khelif betonte zuletzt auch: “Ich bin
keine Transsexuelle, ich bin ein Mädchen.”
Khelif kündigte bereits vor der Neuregelung des IOC an, sich
vor Olympia 2028 in Los Angeles einem Geschlechtertest zu unterziehen. Laut der
neuen IOC-Richtlinie müssen sich Athletinnen nur einmal den Test vornehmen
lassen, sofern es keine Zweifel am Ergebnis gibt. Danach seien sie dauerhaft
für Wettbewerbe zugelassen, hieß es.
Kritik an den Tests
Unter den Athletinnen gehen die Meinungen über das Vorgehen
auseinander, viele deutsche Sportlerinnen äußerten sich kritisch. Eine große
Gruppe von Menschenrechtsorganisationen hatte das IOC schon vorab mit scharfen
Worten aufgefordert, die Regel nicht in Kraft zu setzen.
Die Kritiker verweisen darauf, dass die Tests die
Privatsphäre verletzen würden. Die bloße Fokussierung auf biologische Merkmale
werde zudem der Komplexität der Geschlechtsidentität nicht gerecht.
“Geschlechtsspezifische Kontrollen und Ausgrenzung schaden allen Frauen und
Mädchen und untergraben genau jene Würde und Fairness, für die sich das IOC
angeblich einsetzt”, sagte die Direktorin der Sport & Rights Alliance,
Andrea Flores.
Schon früher gab es in der olympischen Welt
Geschlechtertests. So führte das IOC vor den Olympischen Spielen 1968
Abstrich-Tests zur Bestimmung der Geschlechts-Chromosomen ein. Nach Problemen
und Widerständen stellte das IOC die generelle Testung 1999 ein.
